Kinderhaus und staatlich anerkannte Grundschule
in freier Trägerschaft


Der Landweg-Blog


In diesem Blog findet ihr Beispiele von Leitartikeln unserer einmal im Quartal erscheinenden Elternbriefe. 

Verfasserin: Jana Reiche 


Als wir im März die Schule schließen mussten, bemühten wir uns, unseren Distanzunterricht so durchzuführen, wie wir das auch im Präsenzunterricht handhaben. Das heißt, dass wir entlang unseres Welterkundungs-Schwerpunktes offene Forschungsaufgaben formulierten, dass wir Übungsaufträge bereithielten und die Kinder sich ihre Übungsabfolgen selbstständig oder mit Hilfe der Eltern individuell organisierten. Wer im Präsenzunterricht aus guten Gründen kein Kontrollsystem etabliert hat, kann darauf im Distanzunterricht ebenfalls verzichten. Die Kinder erhielten im direkten Kontakt Rückmeldungen, unter anderem in Videokonferenzen und Telefonaten. Die Arbeitsergebnisse der Kinder wurden regelmäßig auf der Website veröffentlicht. Es gab wenig bis keine Einbußen bei den Lernentwicklungen der einzelnen Schüler*innen, das zeigten die Lernstandsanalysen am Anfang des neuen Schuljahres. Trotzdem war das für alle eine sehr herausfordernde Zeit, die auch abbildete, was vielleicht vonseiten der Schule zu verbessern wäre. Um diesen Prozess bewusst und mit hoher Qualität zu gestalten, nahmen und nehmen wir an deutschlandweit geführten Diskussionen, Konferenzen und Weiterbildungen teil. Wir entschieden uns in Folge der Erfahrungen aus dem Sommer, eine Schulcloud einzuführen, um ein einheitliches Übertragungssystem zu haben. Es würde uns im Falle einer Schulschließung nützen, aber auch im Präsenzunterricht eine geeignete Austauschplattform sein. Eltern und Kinder sollten sich auf dieser Plattform auskennen und zurechtfinden. Das übten wir in den vergangenen Wochen in unserem Quartalsunterricht „Naturwissenschaften“.

Der möglichen Beantragung zum Digitalpakt, mit der wir seit Anfang 2020 beschäftigt sind, erlaubte uns schon vor Corona, darüber nachzudenken, wie wir uns künftig digital aufstellen wollen. Bisher arbeiteten unsere Schüler*innen ab Klasse 4-6 temporär an Laptops. Recherchieren gehörte zum Alltag, innerhalb von Arbeitsgemeinschaften und Projekten lernten sie Fotobearbeitung, Website-Erstellung und Programmieren. Wir wollten für die Zukunft das für unsere Schulform am besten geeignete Gerät, denn letztlich geht es darum, digitalen Zugänge zu ermöglichen, die über das bloße Kennenlernen der Technik hinausgehen. Wir brauchen Angebote, die das kreative eigenmotivierte Lernen in kooperierenden Lernformen ermöglichen. So entschieden wir uns nach vielen Abwägungen für das iPad. Die Kritikpunkte an der Entscheidung für ein Apple-Produkt sind uns bekannt und wir tragen sie durchaus mit. Als wir den Antrag formulierten, gingen wir davon aus, dass das vom Land zur Verfügung gestellte Geld auch die Anschaffung von Endgeräten ermöglichen würde. So stellten wir das auch zur Elternversammlung nach den Sommerferien vor. Durch die Vorgaben für die Ausstattung der Infrastruktur konnten wir im Ergebnis bei der Beantragung keinen Klassensatz iPads für die Klassen 4-6 mit aufnehmen. Das war bedauerlich und die Idee eines elternfinanzierten Gerätes inhaltlich und logistisch für die meisten Eltern durchaus herausfordernd. Durch das Ausstattungsprogramm war es aber immerhin möglich, einige Leihgeräte für die Schule anzuschaffen.

Wie geht es nun weiter? Man könnte es so handhaben wie an norwegischen Regelschulklassen und ab Klasse 1 langfristig alle Klassen mit iPads ausstatten und auf Schulbücher und Material verzichten.

Wir sehen darin keine Vorteile. Im Gegenteil, wir fühlen uns den aktuellen Diskussionen in den Montessorischulen verpflichtet und beteiligen uns aktiv daran.

Aus der MünDig-Studie, einer Umfrage aus dem letzten Jahr an reformpädagogischen Schulen, an der wir uns als pädagogisches Team und einige von euch sich als Eltern beteiligt hatten, geht klar hervor, dass Eltern mit Kindern der unteren Jahrgangsstufen sehr zufrieden damit sind, wie der Umgang mit Medien an reformpädagogischen Schulen gehandhabt wird. Das ist auch eine Aufforderung.

Konkret ergibt sich der bewusste Einsatz für uns aus den Leitlinien unseres Konzepts, den international diskutierten Leitlinien für den Medieneinsatz an reformpädagogischen Schulen und den Erkenntnissen der Lernforschung. In den Jahrgangsstufen 1-3 sollte es einen sehr gezielten und eher sparsamen Umgang mit digitaler Technik geben, u.a. weil Kinder Grundlagen entwickelt haben müssen, um sie zielführend zu nutzen. Wir können nicht oft genug sagen, dass Konzentrationsvermögen und Anstrengungsbereitschaft geringer werden, das eigenmotivierte und gestaltende Lernen ist bei regelmäßiger Nutzung von Digitaltechnik im Schulalltag sehr eingeschränkt. Diese Kinder müssen stark geführt und kontrolliert werden, was nicht unserem Konzept entspricht. Ein Kind lernt bei digitalen Spielen, dass das bloße Verschieben mit den Fingern Belohnungen einbringt. In der Schule brauchen sie dann ebenfalls ein Belohnungsprinzip, wollen vielleicht die Finger rühren, aber nicht unbedingt den Geist. Außerdem verarbeiten sie stundenlang, was sie gespielt oder im Fernsehen gesehen haben. Diese Kinder arbeiten nicht oder nur sehr wenig mit dem Material. Da es dazu wenig bis keine Studien gibt, können wir lediglich unsere Beobachtungen der letzten Jahre beschreiben.

Unsere Schülerschaft wird altersentsprechend an digitale Technik herangeführt. Die Kinder der Klasse 1-6 nehmen nun schon im zweiten Jahr in Folge an der ILEA+ teil, einer standardisierten Lernstandserfassung. Sie haben, ähnlich den kosmischen Erzählungen, von der Geschichte des Computers erfahren, sie können einordnen, welche bedeutende menschliche Leistung hinter der Entwicklung von Rechenmaschinen steckt. Im „Digitalbüro“, das ein Angebot im Rahmen der Freiarbeit am Freitag ist, konnten einige Kinder der Klasse 1-3 einen kleinen Comic erstellen, die Klasse 4-5 schreibt in Kleingruppen ein interaktives Buch. Kinder der Klasse 5-6 programmieren in einer Arbeitsgemeinschaft und haben gemeinsam mit der Klasse 4 das Schulzeitungsprojekt über die Schulcloud bearbeitet. Die Kommunikation zu Aufgaben der Klasse 5-6 läuft z.T. auch über die Schulcloud. Natürlich entstehen beim Einsatz dieser Medien auch absurde Situationen, z.B., wenn Schüler*innen einen Film schauen, wie es Kindern in Nigeria oder Indien auf dem Weg zur Schule ergeht und dann ihre eigenen Geschichten zum Schulweg auf dem iPad gestalten. Wir sind tatsächlich in einer privilegierten Situation. Wir sind uns dessen bewusst und leiten daraus Handlungsaufforderungen ab.

Unser Medienkonzept ist in dauerhafter Bearbeitung, weil wir es anhand unserer Beobachtungen und der Rückmeldung beständig anpassen. Wir laden alle Eltern ein, das aktuelle Medienkonzept mit uns zu diskutieren. Da wir keine Elternversammlungen haben können, wollen wir euch ermuntern, eure Anregungen schriftlich zu formulieren.

Die aktuelle Situation stellt uns vor eine große Herausforderung und wird im Ergebnis zeigen, wie gut unsere Solidargemeinschaft funktioniert. Sorgen wir mit dafür, dass es im Ernstfall genügend Kapazitäten in den Krankenhäusern gibt. Sorgen wir auch dafür, dass unsere Eltern, die in systemrelevanten Positionen arbeiten, das System am Laufen halten können. Einerseits dadurch, dass wir kleine Netzwerke gründen, andererseits dadurch, dass unser Betreuungs-Notangebot für diese Eltern reibungslos funktioniert. Wir versprechen, dass die Gruppe im Landweg so klein wie möglich, aber so groß wie nötig gehalten wird. Die Hauptbetreuung soll zwischen 8.00- 12.00 Uhr stattfinden, für Sonderzeiten oder besondere Notlagen bitte die Leitung ansprechen. Alle Lehrkräfte und Pädagog*innen mit Kindern sind im Homeoffice. Dort sind sie für euch und eure Fragen erreichbar. Einige von euch nutzen diese Möglichkeit des Austausches mit den Pädagog*innen sehr intensiv, eure Kinder dürfen das auch gern nutzen. Wenn ihr euch nicht meldet, gehen wir davon aus, dass es für euch und eure Kinder reibungslos läuft. 

 

Momentan deutet sich nicht an, dass sich die Situation da draußen entspannt, also bleibt, soweit es euch möglich ist, zu Hause. Alle aktuellen Entwicklungen in der Corona- Welt kann man u.a. auf einer von einem Schüler entwickelten Seite nachlesen: ncov2019.live oder in verschiedenen Podcasts hören, u.a. „Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten“. 

 

Auch für uns hat sich viel verändert und wird sich einiges ändern in den nächsten Wochen. Es sind schon ausgefallen oder fallen bald aus: Ausflug zum Fahrradgarten, der Kindersachenbasar, unsere Elterntage, das Netzwerktreffen der Schulleiterinnen des Landkreises, der Besuch in der Bibliothek, der Besuch des Schulverbunds „Blick über den Zaun“, die Fortbildung im Montessorilabor, vermutlich der Großelterntag, wir raten jedenfalls dazu, nicht einzuladen. 

 

Damit ihr eine Idee habt, was unser Team nun in der betreuungsfreien Zeit so vorhat, hier mal ein Spotlight: 

 

Erstellung von Kriterien für die transparente Leistungseinschätzung von Kinder-Präsentationen

Herstellung von Sprache – und Englischmaterialien

Wir prüfen gerade, wie wir langfristig Optionen für digitalen Unterricht bereithalten können, falls der Unterrichtsausfall länger dauert als aktuell verkündet.

Neugestaltung der Wasserlandschaft

Streichen der Küche und weitere Farbanstriche im Haus

Vorbereitung der Meisterstücke (Abschlussprüfung) für den Montessorikurs im Montessorilabor Berlin

Studie zum Qualitätsrahmen für Montessorieinrichtungen

Beschreibung der Qualitätsstandards unserer Schule

Zusammenfassung der Beobachtungen im Kindergarten und der Leistungsbeschreibung in der Schule

Zusammentragung von Texten und Arbeiten für das 20 Jahre Baek-Buch

Zum Baek- Buch: Wir wollen im nächsten Jahr ein Jubiläum in Baek feiern. Das Fest wird ein Festkomitee aus Mitgliedern des Vereins vorbereiten. Wir wollen Texte und Bilder zusammenstellen, die 20 Jahre Baek beschreiben. Das heißt, einerseits werden wir von unserer aktuellen Arbeit erzählen, andererseits von unserer Geschichte. Es wäre ganz toll, wenn ihr euch daran beteiligt.

 

Folgenden Text erhalten in Kürze unsere ehemaligen Familien:

 

Liebe ehemalige Schüler*innen und Eltern, liebe Kolleg*innen, 

wir hoffen, eure Familien sind gesund, ihr habt euch gut sortiert und auf die ganz und gar außergewöhnlichen Umstände eingestellt. Das ganze Land stehst still und wir wollen diese Möglichkeit des Innehaltens nutzen, um unser Buchvorhaben „20 Jahre Baek“ zu verfolgen. Dazu brauchen wir euch! Bitte schreibt auf, was ihr mit dem Landweghaus Baek verbindet, was Baek für euch bedeutet hat oder was euer heutiger Alltag mit eurer Grundschulzeit oder der eurer Kinder zu tun hat. Wer nicht einfach nur einen Text schreiben will, nutzt verschiedene Darstellungsformen. Es können Gedichte, Bilder, Geschichten oder Comics sein. Sogar Songs und Kompositionen, die man über einen Quellcode abrufen kann, sind möglich. Es wäre schön, wenn ihr uns eure Beiträge bis Anfang Mai schickt. Wir planen, dass die Druckvorlage Ende des Jahres 2020 vorbereitet wird. Da wir auch alte Fotos und Texte verwenden, bitten wir dringend, dass ihr uns informiert, wenn eure damalige Fotofreigabe nicht mehr gilt oder ihr nicht wollt, das möglicherweise alte Texte von euch erscheinen. Im Mai oder Juni 2021 wollen wir dann mit euch allen feiern. Dazu bekommt ihr natürlich noch eine gesonderte Einladung. 

Es grüßt euch das Baeker Team

 

Wir bitten um Weiterleitung an weitere alte Baeker, wenn ihr vermutet, dass wir eventuell keine Kontaktdaten mehr haben oder ihr schickt uns die Kontaktdaten, wenn ihr dürft. Ein Teil unseres noch zu entwickelnden Buches soll auch eine Erzählung des momentanen Homeschoolings und der Betreuung in dieser besonderen Zeit werden. Es wäre ganz schön, wenn ein paar von euch Lust haben, die Zeit mit euren Kindern zu Hause zu dokumentieren, Texte zu schreiben oder zu sammeln, was passiert. Mailt uns das gern, die Qualität der Bilder ist dann besser als per WhatApp. Wenn ihr uns regelmäßig Material schickt, stellen wir es auf die Landweg-Seite oder auf Instagram und verwenden Teile daraus für das Buch. Wir hoffen ja alle, das passiert nie wieder.

 

Richtigschreibung ist ein öffentlicher Diskussionsgegenstand, seitdem sie amtlich festgelegt wurde. Schon im 19 Jahrhundert gab es deutlichen Widerstand gegen Normierungen, u.a. von dem damaligen Reichskanzler Otto v. Bismarck. Das Diskussionspotential hat sich bis heute nicht verändert, wenn auch über andere Inhalte gestritten wird. Heute, in einer Zeit, in der jeder Text mehrere Tausend Leser*innen erreichen kann, geht uns die Rechtschreibung mehr an. Andererseits scheint sie in Zeiten von Twitter und Globalisierung, vor allem digital gesteuerten Rechtschreibkorrekturen eine immer unwesentlichere Rolle zu spielen. In der Schule ist sie das heimliche Hauptfach und das hat auch Sinn: Rechtschreibung hat eine wichtig Funktion, sie macht Texte lesbar, manchmal ist das sichere Beherrschen der Rechtschreibung entscheidend für den beruflichen Werdegang. Rechtschreibreformen erinnern uns an die Notwendigkeit einer vereinbarten Rechtschreibung und fordern uns heraus, über Sinn und Unsinn bestimmter Rechtschreib-Vereinbarungen nachzudenken. Man möge sich erinnern an die Diskussionen zu den Veränderung in der Rechtschreibreform 1996 und an die kleinen öffentlichen Widerstände, wie z.B. den der FAZ, die nach alten Rechtschreibregeln schrieb. Unabhängig von staatlich verordneten Veränderungen kommt es hin und wieder zu allgemeinen Diskussionen bezüglich der Rechtschreibentwicklung - im letzten Jahr ausgelöst durch eine Studie, die zwar öffentlich intensiv diskutiert wurde, aber bis heute nicht veröffentlich ist. Grundschüler lernen Rechtschreibung am besten nach der klassischen Fibelmethode, zu diesem Ergebnis kommt eine Bonner Studie, bei der die Lernerfolge von gut 3000 Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen analysiert wurden. Bis auf den Forschungsgegenstand und die daraus abgeleiteten Konsequenten sind die empirischen Daten im Detail bisher nicht bekannt, selbst die Zahl der Studienteilnehmer variiert. Ein großer Kritikpunkt an dieser Studie ist unter anderem, dass ein Fibel-Lehrgang einen Leseerwerb beschreiben kann, nicht eine Rechtschreibentwicklung. Gesichert ist nach Auswertung der IQB- Studie aus dem Jahr 2016 allerdings, dass die im Bundesdurchschnitt getesteten Viertklässler in der Rechtschreibung mit 24 Leistungspunkten deutlich schlechter abschneiden als 4 Jahre zuvor. Mit Spannung darf die Vergleichsstudie 2020 erwartet werden, weil es nach der Studie 2016 einige Korrekturen im Unterrichten gegeben haben dürfte. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das erarbeitende Schreiben, bekanntgeworden durch den von Jürgen Reichen geprägten Begriff des „freien Schreibens“, ein großes Problem für das normgerechte Schreiben, obwohl auch diese Methode lediglich den Erwerb einer Lesekompetenz unterstützt, das sagt schon die Begrifflichkeit „Lesen durch Schreiben“. Verschärft geführt wurde die öffentliche Auseinandersetzung durch die oben zitierte sogenannten Bonner Studie, in deren Folge einige Bildungsministerien, u.a. das Brandenburger, mit sofortigen Maßnahmen für die pädagogische Praxis reagierten. Das Problem besteht darin, dass quantitative Daten aus repräsentativen Studien (wenn es sich denn um solche handelt) uns zwar Trends zeigen, aber die Differenzen in der Praxis nicht klären. Weitestgehend Einigkeit besteht nach wie vor darin, dass die Grundlage eines erfolgreichen Schriftspracherwerbs die Einsicht in das alphabetische Prinzip ist. Kindern sollte von Anfang bewusst gemacht werden, dass es eine vereinbarte Rechtschreibung gibt. Dies gelingt aber nur über vereinbarte Modelle und Rückmeldungen, d.h. eben auch, dass der Unterricht für das selbstständige Lernen geeignete Verfahren und Hilfen vermittelt. Zum Rechtschreiberwerb könnte das Bewusstmachen eines Fehlers Lernvoraussetzung zur Entwicklung einer Normschrift sein. Brüggelmann schreibt als Fazit einer zweijährigen Untersuchung zur Rechtschreibung: „Wir interpretieren deshalb die Fähigkeit zur Analyse und lautgetreuen Wiedergabe unbekannter Wörter als sinnvollen wenn nicht sogar notwendigen Zwischenschritt in der orthographischen Entwicklung, obwohl sie zunächst zur fehlerhaften Schreibung führt“ (241, 1990) 

 

In der Auswertung der Studien und den Erkenntnissen zu modernen und vor allem inkludierenden Unterricht wird deutlich, im Rechtschreibunterricht muss es um eine der Heterogenität in unseren Schulen Rechnung tragende Methodik gehen, welche Grundwortschatz und normatives Schreiben verständlich vermittelt, aber kreatives Schreiben ermöglicht. Dazu müssen Erkenntnisse der Lernforschung und Entwicklungspsychologie, aber auch Erkenntnisse der Sprachwissenschaft in der Schulpraxis und damit einhergehenden öffentlichen Wahrnehmung Beachtung finden. 

 

Zu unserem Elternwochenende sollte die praktische Umsetzung eines gelingenden Sprache- und damit verbundenen Rechtschreibunterrichts diskutiert werden. Folgende Vorgehensweise favorisieren wir momentan: Jeder Schreibanlass ist willkommen. Die Kinder beginnen schon im Kindergarten Wörter zu schreiben unter Nutzung der Anlauttabelle. Sie erfahren, dass sie „schreiben“ können, eine wichtige Erfahrung, die viel Freiheit verspricht. Parallel wird ab Klasse 1 am Mildenberger Silbenkurs gearbeitet, weil sie dadurch die kleinen Buchstaben (auch die Schreibrichtung) kennenlernen und nicht jedes Kind, kann sich Wörter bauen, weil nicht jedes die Laute sicher hört. Für diese Kinder ist die Silbenmethode ein Anker. Wir geben ihnen auch in der Richtigschreibung die Lernwörter ab Klasse 1, nutzen dieses Zeit aber vor allem, um die Unterscheidung Nomen, Verben und Adjektiven zu üben. Eigentlich sollte ab dann die Großschreibung von Nomen gelingen, klappt nicht immer, für manche bleibt das ein Problem bis zur Klasse 6. Ab Klasse 2 lernen unsere Kinder in einer klar verabredeten sogenannten „Diktatzeit“, die Regeln für das richtige Schreiben und bekommen Lernwörter, die sie üben. 

 

Langfristig wird die Rechtschreibung sicher ein weiteres Mal reformiert werden. Unser Fazit wäre nach 20 Jahren Rechtschreibunterricht, der deutschen Schriftsprachentwicklung in einer globalisierten Welt den notwendigen Tribut zu zollen und den Schüler*innen das normierte Schreiben dadurch zu erleichtern, dass die Nomen kleingeschrieben werden können und Fremdwörter in der Schreibung nicht eingedeutscht werden. Spagetti sollen Spaghetti bleiben oder spaghetto werden und schmecken einfach besser mit einer richtigen Sauce, dazu gehört einfach keine braune Soße.

Historie einer Bewegung

Wir sind nun seit November 2019 ein anerkannter Lernort, der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung beispielhaft umsetzt. Anerkannt von berufener Stelle, der UNESCO-Kommission, Mutter der BNE. Das ist schon was. Als wir in Gründungszeiten den Begriff Nachhaltigkeit im Konzept verwendeten, da gefiel uns zunächst die Logik im Wort und die Möglichkeit, mit dieser Überschrift eine Schule im ländlichen Raum etablieren zu können. Das Genehmigungsverfahren des MBJS Brandenburg sieht vor, dass ein besonderes pädagogische Interesse anerkannt werden muss. Damit hatten wir eines. Konzeptionell verankerte BNE gab es vermutlich deutschlandweit in keinem Schulkonzept. Und doch – die Wortbedeutung der Nachhaltigkeit, etwas „länger anhaltend“ anzulegen, ist grundsätzlich Auftrag der Schule.

 

Der Ursprung der Nachhaltigkeit geht auf einen Kommentar des sächsischen Bergrats Carlowitz zurück: „Schlag nur so viel Holz, wie der Wald verkraften kann“ Logisch! 200 Jahre später im Jahre 1913 diskutieren Reformpädagog*innen, Künstler*innen und Philosoph*innen, was Nachhaltigkeit für die Bildung künftiger Generationen bedeuten könne, ohne den Begriff zu verwenden. Bis in die späten 80er war gelebte Nachhaltigkeit in der Bildungslandschaft eng mit dem naturerlebnispädagogischen Ansatz verbunden, Joseph Cornell ist der bekannteste Vertreter. Historisch betrachtet ist der Begriff der Nachhaltigkeit sehr jung, er wird1987 durch die UN geprägt mit der Definition „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt, ohne zukünftigen Generationen die Grundlage der Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse zu nehmen.“ Praktische Auswirkungen auf Schulpraxis hatte diese Definition zunächst nicht.

 

Seit dem Jahr 2000 gibt es erstmalig ein didaktische Konzept, welches sich auf die Agenda 21 bezieht. 2002 wurden während des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ beschlossen. Als schlussendlich 2002 der Erziehungswissenschaftler Gerhard de Haan die acht für die Schule relevanten Teilkompetenzen in einem Aufsatz veröffentlichte, standen diese Prinzipien mit Umsetzungsideen für den pädagogischen Alltag bereits seit 2 Jahren im Landweg - Konzept. Die Lernenden sollen, so de Haan, vorausschauend denken, weltoffen und neuen Perspektiven zugänglich sein, interdisziplinär denken und agieren können, partizipieren, an der Nachhaltigkeit orientiert planen und agieren können, Empathie, Engagement und Solidarität zeigen, sich und andere motivieren und individuelle wie kulturelle Leitbilder distanziert reflektieren können. Alles ist so oder so ähnlich in unserem Genehmigungskonzept formuliert. 

Natürlich erfüllt es uns mit gewissem Stolz, dass wir eine so große Dimension im Jahr 2000, damals noch ohne Montessoripraxis, intuitiv mit Inhalt füllten und 2001durch die Beschreibung der konkreten Ziele als Schulstandort genehmigt wurden. Es ist ein langfristig tragfähiges Konzept, da BNE und Montessoripädagogik miteinander kooperieren. Montessoris Grundsätze sind Leitbild und Instrumentarium für BNE. 

BNE passt zu uns, auch in ihren aktuellen Kernbotschaften der Agenda 2030. Es geht um die Würde des Menschen, den Schutz des Planten, der Erhalt des Wohlstands für alle, um Friedensförderung und globale Partnerschaften. Unser Handeln ist von der Überzeugung getragen, dass das Pflegen einer Partnerschaft und kooperative Miteinandersein lokal geübt werden muss, sonst wäre BNE nur eine Idee, Überschrift oder für ein Plakat gut, aber nicht gelebter Inhalt. 

 

Das BNE-Anliegen wird häufig reduziert auf ökologisches Handeln im globalen Kontext, dabei geht die Begrifflichkeit zurück auf verantwortliches Agieren im Nahraum. Unsere sichtbarsten Netzwerke sind sicher die pädagogischen, das Netzwerk der regionalen Grundschulen, die vierteljährlichen Schulleiter*innentreffen und das der Konsulationskita, unsere Aktivitäten in der Frühförderung. Nicht alle unsere regionalen Netzwerke im pädagogischen Bereich sind so verbindlich wie diese beiden. Unsere Zusammenarbeit mit den reformpädagogischen Schulen der Ostprignitz Anfang der 2000er war für uns sehr wichtig, findet allerdings nur noch sporadisch statt. Alle 3 Reformschulen, Heiligengrabe, Roddahn und Baek, haben sich über die Jahre unterschiedlich entwickelt und sind räumlich sehr weit entfernt. Die Freude ist immer groß, wenn wir uns bei der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen oder anderen Gelegenheiten treffen, aber letztlich beschränkt sich das Netzwerk auf freundlichen kurzen Austausch. Ein Rätsel ist uns, dass es nicht gelingt, mit der Montessorischule Wittenberge- jenseits der freundlichen Interaktion- in eine echte Kooperation einzutreten. Die von uns sehr gewollte und immer wieder forcierte gleichberechtigte Zusammenarbeit kommt nicht zustande. Wir sind überzeugt davon, dass ein kontinuierlicher fachlicher Austausch unter der Lehrerschaft, gemeinsame Fortbildungen bis hin zu einem praktischen Austausch bei kurzfristigem Krankheitsausfall absolut bereichernd wären. Für uns hätte es viel Sinn, wenn die Schüler*innen unserer Schule einen sicheren Platz an der Oberschule hätten, zumal wir von Lehrer*innen und Eltern erfahren haben, dass die Baeker Schüler*innen sehr gut ausgebildet und dort sehr willkommen sind.  Es kommt – trotz persönlicher hoher Sympathiewerte - keine verbindliche Kooperation zustande, obwohl wir auf allen Kanälen dafür werben. Wir meinen, regionale Fachschaft und pädagogische Weiterentwicklung, wenn überhaupt gewollt, passiert nicht dadurch, dass man beim Stadtfest oder „Fridays for future“ gemeinsam auftritt oder sich mal austauscht nach einer Hospitation. Dafür braucht es einen verbindlich verabredeten Rahmen – eine Kooperation. Die Zusammenarbeit mit unseren Eltern ist für uns ein ganz wichtiges, wenn nicht das wichtigste, Netzwerk. Eltern übernehmen Vorstandsarbeit, stellen ihre Höfe und Berufe vor, bringen ihre Hobbys in den Ganztagschulbetrieb ein, begleiten uns auf Ausflügen, musizieren und singen mit uns, bieten Schwimmunterricht an, bereichern unsere Feste und Projekte durch aktive Mitmachaktionen, organisieren unseren Tag der offenen Tür und vieles mehr. Einen großen Teil davon im Ehrenamt. Den medialen Abgesang des Ehrenamtes können wir nicht mitsingen, bei uns sind Eltern aktiv und das immer im bereichernden Sinne. In früheren Jahren führte die enge Zusammenarbeit mit den Eltern auch zu Reibungsprozessen, aber möglicherweise waren sie zu dem Zeitpunkt eben auch notwendig. Landkreis und Gemeinde unterstützen uns in allen Belangen, das ist seit der Gründung 2001 so. Aktuell werden wir gemeinsam mit der Gemeinde aus LEADER- Mitteln das Dach der Schule und die Fassade sanieren. Wir bemühen uns mit kleinen kulturellen Angeboten das Dorfleben zu bereichern. Baek bietet durch seine Sozialstruktur weitere interessante Optionen. Vor kurzem kam es zu einer Neuaufnahme der Idee aus der Gründungszeit, Tierhaltung an der Schule zu etablieren, wir haben nun ein Schulpferd. Durch eine engagierte Ansprechpartnerin im MBJS und aktive Akteur*innen vor Ort konnten wir die Idee zeitnah in die Tat umsetzen und werden ab 2020 Reitunterricht anbieten, was unsere Schule um ein wesentliches Qualitätsmerkmal erweitert. 

 

Für uns ist BNE, neben allen notwendigen und modernen Bewegungen bezüglich des verantwortlichen Umwelt - Handelns für nachfolgende Generationen, das Erlernen von Toleranz, also ein Erfahrungsweg. Dazu gehört das Integrieren einer regionalen Geschichten, das Anerkennen des kollektiven Bewusstseins einer Region und das Schaffen von Kommunikationsräumen. Toleranz ist nichts, was man über Parolen erwirbt, Toleranz will vor allem gelebt sein. Und Meinung muss gebildet werden. Steckt ja schon im Verb (gebildet), dass das ein Weg ist. Deshalb ist der Name Programm: Wir sind ein Landweg!

 

150 Jahre Maria Montessori - in vielen Schulen wurde vor einer Woche dieses Datum gefeiert, in unserer nicht, was im Nachhinein doch etwas bedauert werden darf. Personenkult liegt uns einfach nicht. Dabei ist er in diesen Zeiten besonders im Trend. Es gäbe ja auch durchaus  Gründe, diese außerordentliche Frau zu würdigen, die ihr Leben der Wissenschaft und dem Überleben der Menschheit gewidmet hat. Montessori-Pädagogik  ist eben nicht nur die Nutzung des tollen Mathematik-Materials. In dem Leitspruch „Hilf mir, es selbst zu tun“ bemächtigt sie das Individuum, für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen und das Umfeld verantwortlich mitzugestalten. In Zeiten, in denen verschiedene Menschengruppen sich versammeln, weil sie ein gemeinsames Feindbild, eine dunkle Macht, das Fremde fürchten, durch das Tragen einer Maske Persönlichkeitsrechte eingeschränkt sehen, scheint die frühe Bewusstwerdung über die eigenen Möglichkeiten wichtiger denn je zu werden. Zumal sich dieses imaginäre „Schlechte“, dem sich diese Menschengruppen gegenüber sehen, in einer Ablehnung von Wissenschaft und der Tendenz, allgemein wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zu trauen, bündelt. Natürlich kann Politik immer nur den aktuellen Erkenntnisstand der Wissenschaft in allgemeine Vorgaben umsetzen und im Nachhinein kann sich die eine oder andere Maßnahme als nicht zielführend erweisen, aber wie sagte es Ruprecht Polanz so schön auf Twitter: „Mit den Kenntnissen von Montag hätte ich meinen Lottoschein auch anders ausgefüllt.“

 

Eine Krise, auch eine gesellschaftliche, zeigt den Zustand eines sozialen Gefüges. Zudem zeigt sie dem System Schule, wo aktuelle Verantwortung für künftige Generationen liegen könnte. Aufgabe der Schule muss in ganz traditionellem Sinne also Aufklärung sein, aber auch das Einüben von Umgangsformen und das Einordnen von Fakten. In der Montessoripädagogik lernen Kinder, dass es notwendig ist, bestimmte Dinge im Interesse des Allgemeinwohls zu erledigen. Sie entwickeln ein Vertrauen darin, dass es in der menschlichen Natur liegt, sich anzupassen, gemeinsam nach geeigneten Lösungen zu suchen, dass auf der Suche nach Lösungen Ideen eingebracht und ausprobiert werden können. Sie lernen es, Entscheidungen zu treffen, manchmal ohne eine eindeutige Faktenlagen, manchmal auch unter Riskieren von Fehlern. In der Annahme, dass wir nicht wissen, wie diese Welt in 20 Jahren sein wird, können wir nur darauf setzen, dass wir Prozesse verstehen, indem wir vergangene sezieren. Montessoris Pädagogik ist gleichermaßen eine Friedenspädagogik, wie auch eine, die Kindern hilft, natürliche Prozesse zu verstehen und ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge zu entwickeln. Momentan scheint jedoch aktueller denn je, dass es Maria Montessori vor allem darum ging, verborgene Vorurteile und Voreingenommenheiten abzulegen und sich wertfrei zu begegnen. Das üben wir in unseren Schulen nicht, indem wir uns „Licht senden“ und Entwicklungen in die Hände einer höheren Macht legen, sondern in aktiver Mitgestaltung innerhalb einer demokratischen Gesellschaft.  Weil eben die Befreiung von kindlichen Verhaltensmustern so mühsam ist, kann es gar nicht genug dieser Montessorischulen geben. Für andere Mitdenken, für andere auch mal etwas Aushalten jenseits der eigenen Komfortzone und Kommunikation, das schafft solidarische Gemeinschaften. Vor einem Jahrhundert wurde die erste deutsche Montessorischule gegründet. Unter Betrachtung der damaligen Verhältnisse in diesem Land, ist diese Pädagogik aktueller denn je.  

Unser Schulteam hat eine zweijährige Ausbildung im Rahmen eines Montessori-Diplomkurs begonnen, bzw. einige von uns haben eine vor 18 Jahren begonnene Ausbildung nun in einem anderen Institut fortgesetzt. Einmal im Monat fährt ein Teil unseres Teams in das Montessori – Labor Berlin. Unseren ehemaligen Lehrer Claus - Dieter Caul haben wir damit verwundert, er fragte sich und uns, warum ehemalige Schüler*innen von ihm einen anderen Kurs besuchen. Dabei hatten wir doch von ihm gelernt, neugierig zu bleiben, immer weiter zu forschen und vor Autoritäten nicht bedingungslos das Haupt zu beugen. 

Jeder weiß, dass lebenslanges Lernen eine tolle Sache ist und doch ist es gängige Praxis,  sich zu verlassen auf das, was bereits funktioniert. Gerade mit einem Montessori- Diplom in der Tasche und vielen Jahren Berufserfahrung kann man den Eindruck erlangen, bereits alles Notwendige zu wissen. Da unser Team sich aus unterschiedlichen fachlichen Kompetenzen zusammensetzt und regelmäßig externe Fortbildungen nutzt, bleiben wir ohnehin im fachlichen Diskurs. Die Montessori – Materialien werden auf eine bestimmte Art und Weise benutzt, das ist relativ festgelegt. Warum also noch mal lernen in einem Bereich, den man so gut kennt? Weil das Material immer anders sein wird, wenn die eigene Verfassung eine andere und der Lehrer ein anderer ist. Außerdem haben wir Erwachsenen auch sensible Phasen, wir nennen das nur anders. Das lebenslange Lernen ist etwas, wozu wir unsere Kinder ausbilden wollen. Wenn wir daran glauben, müssen wir es selbst versuchen und dürfen uns nicht ausruhen auf etwas, was wir zu kennen oder können meinen. 

 

Wir üben nun gemeinsam einmal im Monat das Arbeiten mit den Montessorimaterialien. Wir erfahren im Kontext dieser Weiterbildung viel über Maria Montessori. Eine Beschäftigung mit dieser großen Reformpädagogin ist kaum möglich ohne innere Verneigung, selbst wenn wir in der Gründungsphase viel Wert darauf gelegt haben, unsere Pädagogik frei von Gurus zu halten und stattdessen anhand von Realitäten zu entwickeln, da wir auch gar nicht verehren wollten. Mittendrin in der Auflösung und Neubildung eines Staates war da eine große Angst vor Dogmen und deshalb lehnten wir auch Überschriften, die eine bestimmte Pädagogik präferierten, für unsere Schule ab. Eine intensive Beschäftigung mit der Montessoripädagogik ermöglicht ein Verstehen, dass sich Montessori und Realität nicht widerspricht, dass ihre Pädagogik ganz und gar undogmatisch und sowieso sehr modern ist. Sie war ja auch immer ihrer Zeit voraus. Man muss sich das einmal vorstellen: Diese Frau wird hineingeboren in das ausgehende 19. Jahrhundert, eine Welt, die geordnet ist nach einem klaren Muster. In Italien herrschen patriarchale Strukturen, die Ehe hat einen hohen Stellenwert und doch wird Maria Montessori keinen Ehemann haben, sich zeitlebens der Forschung widmen, die erste promovierte Ärztin Italiens sein und das erste Kinderhaus eröffnen. Mit ihrem reformpädagogischen Ansatz wird sie weltweit die Pädagogik revolutionieren. Obwohl es unmöglich war in dieser Zeit ein uneheliches Kind aufzuziehen, sie ihren Sohn also fortgeben musste, wird er sie in ihren späten Forschungsjahren begleiten und unterstützen, später ihr Erbe fortführen.

Neben den durchachten Montessori - Materialien fasziniert uns zunehmend ihr Ansatz, den Kindern mittels Geschichten, den sogenannten „Kosmischen Erzählungen“, das große Ganze zu geben. So verstehen die Kinder Zusammenhänge, um sich im Weiteren mit den Details zu beschäftigen. 

Wir haben das im Rahmen unseres Welterkundungsunterrichts von Anfang an praktiziert, aber wir tun es jetzt mit einem tieferen Verständnis. Und wir beginnen, neue Geschichten zu entwickeln. 

 

Wir leben im 21. Jahrhundert. Es ist das Zeitalter, in dem Planeten abtauchen, unbekannte kleinste Teilchen auftauchen und neue Menschenarten entdeckt werden. Welt und Wissen sind in Bewegung und durch die Medien findet ein ständiger Austausch statt. Um so wichtiger, dass Kinder von Anfang an Zusammenhänge erkennen und einordnen können, selbst wenn das tiefe Verstehen erst nach einem bestimmten Zeitraum einsetzt. Es ist ja an sich schon eine große Erkenntnis für ein Kind zu erfahren, dass es Teil eines Systems ist, im Kleinen wie im Großen. Aber noch spannender wird es, wenn man versteht, wie sich das eine auf dem anderen begründet, dass Fehler wiederholt werden, dass man aus Fehlern auch lernen kann. 

Wir schreiben Geschichte mit und deshalb kann es nicht verkehrt sein, das verantwortlich zu tun.

Die Bilder von Chemnitz erzählen nicht nur Realpolitik, sondern auch von der Vergangenheit dieses Landesteiles, ehemals DDR. Was die Menschen vor der Kamera sagten, sagten sie früher hinter vorgehaltener Hand. Lügenpresse, der Glaube, dass der Staat einen betrügt, dass Meinungen gesteuert werden. Das ist alles nicht neu und es war ja damals auch nicht ganz verkehrt. Dass der große Mann es schon richten wird, heute Trump, auch nicht neu. Das alles ist prägend. Und doch: Es gab vor 1989 nicht die DDR, in der alle das Gleiche dachten und taten. Es scheint ein Teil des Problems in Sachsen zu sein, dass mangels medialem Abgleich über verschiedene Kanäle die Erwartungen an das neue Land nach dem Mauerfall sehr hoch waren und die Enttäuschung dementsprechend größer sind. 

 

Vergleicht man, dann gab es damals, wie auch heute, große Unterschiede in den Landstrichen. Das könnte mit der jeweiligen Sozialisierung, auch der regionalen Schulkultur zu tun gehabt haben. Die häusliche Ausgangssituationen waren ohnehin unterschiedlich, soweit sie das im Osten sein konnten. Was allerdings für alle galt: In der Schule waren die Schüler Teil einer Gemeinschaft, die sie nicht wählen durften. Für die Gemeinschaft galten strenge Regeln. Es ist vielleicht nicht mehr bekannt, aber noch bis weit in die 80er standen Ostschüler einmal in der Woche beim Fahnenappell und wer sich fehlverhalten hat, wurde abgestraft, öffentlich. Eine eigene Meinung durfte bestenfalls zu einem Bild, einem Gedicht formuliert werden, aber selbst da galt es, nicht das Falsche zu sagen. Dass jemand seine Meinung zur Realpolitik äußerte, fand nicht statt. Öffentlich wurde über Politik in Losungen gesprochen oder gar nicht. Dabei kann man gebrochen oder widerständig werden. 

 

Man kann aber auch trotz verschiedener gesellschaftspolitischer Zwänge mit engagierten und fordernden Lehrern aufwachsen, sich mit Inhalten auseinandersetzen und daran reifen, trotz allem Interessensgebiete und eine eigene Identität entwickeln. 

Viele hatten das Glück, in einem wichtigen Alter eine Gesellschaft in Frage stellen zu dürfen, in Ansätzen sogar neu zu konzipieren in den späten 80ern, Anfang der 90er Jahre. So wurden die ersten realpolitischen Demokratieerfahrungen gemacht.

Der Landweg e.V. wurde 2001 mit Eltern aus verschiedenen Teilen Deutschland gegründet. Ein Elternkonzept ist ein Kompromiss aus vielen Wünschen. Als wir unseren ersten Konzeptentwurf und unser pädagogisches Interesse beim Ministerium einreichten, mussten wir im Nachgang umfassende Teile unseres Konzepts überarbeiten. Das war auch nicht weiter verwunderlich, denn zunächst hatten wir unsere unterschiedlichen, zum Teil widersprüchlichen, Ideen formuliert, wie Schule sein könnte. Uns beeindruckte, dass im Konzept nicht stehen durfte: Wir wollen, dass unsere Kinder zu politisch denkenden und handelnden Personen werden. Für uns eine Notwendigkeit nach dem Fall der Mauer, damals die Ablehnung aus dem Ministerium unverständlich. Wahrscheinlich hätte es gereicht, „politisch“ gegen „demokratisch“ zu tauschen. 

 

Reformschulen sehen sich dem Ansatz der echten Teilhabe und Mitgestaltung von Gesellschaft verpflichtet. Innerhalb der Reformschulbewegung gibt es jedoch große Unterschiede. Wir haben uns für eine reformpädagogische Orientierung an der Montessoripädagogik entschieden. Maria Montessoris Pädagogik ist darauf konzipiert, dass der Erwachsene das Kind begleitet, dass der Erzieher, wie sie es nennt, durch die Vorbereitung der Umgebung eine menschliche Kulturumgebung schafft. Es braucht Räume, in denen klar wird, dass der Mensch auf 50 Meter Evolutionsgeschichte weniger als 10 cm einnimmt, dass es Gravitationsgesetze gibt, wie Sprache entstanden ist. Räume, in denen der Fall der Mauer, die Folgen der Umweltverschmutzung diskutiert werden. Räume, in denen Menschen antastbar sind.  Es braucht Vorbilder, um einen Weg in die Gesellschaft zu finden. So entsteht Orientierung auf dem Weg in die Welt. Maria Montessori hat sich der Thematik in vielen Vorträgen und Publikationen gewidmet. Sie beschreibt unter anderem, dass der Erwachsene das Kind nicht seinem Willen unterwerfen darf, es nicht in seinem Potential, seiner Intelligenz und seiner Würde unterschätzen darf, ihm aber auch nicht zu große, unbewältigbare Freiräume, einräumen darf, die es überfordern würden. Denn das alles würde den Weg in eine friedvolle Gesellschaft blockieren, so beschreibt sie es. Zentraler Punkt ihrer Pädagogik ist die Friedenserziehung und der Blick auf eine gemeinsame Wertegesellschaft weltweit.

Wer sich ihrer Pädagogik verpflichtet fühlt, muss gut beobachten, genau dokumentieren und bereit sein, individuell zu begleiten. Eine Pädagogik, die Individualität zulässt und Gemeinschaft ermöglicht, Teilhabe und kooperierende Herangehensweisen als selbstverständlich ansieht, ist ein Ort, an dem Schüler zu politisch denkenden und handelnden Personen werden. Und wenn das so ist, dann besteht Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft.

 

Auszug aus der Einschulungsrede 2018

 

„Als wir 2001 die Schule eröffneten, gab es verschiedene Motivationen, die zur Gründung führten: Wir wollten mit Herz, Verstand und Gefühl handeln dürfen. Wir riskierten damit, dass wir auch mal unverständlich, überfordernd sein würden, weil das Gefühl nun mal sehr individuell ist und keinem Regelwerk folgt. Wir wollten keine Dogmen. Viele von uns waren unter Doktrinen aufgewachsen und wir wollten unbedingt, dass unsere Kinder ihre Weltanschauung entwickeln dürfen. Dazu gehörte für uns auch, uns dem Diktat einer Reformbewegung zu verweigern. Wir wollten etwas Eigenes entwickeln, was sich auch verändern darf, eben weil es keinem Diktat unterliegt. Wir wollten unseren Kindern ein weiteres Zuhause bieten. Logisch, dass wir uns nicht wie eine Institution gebärdeten. Zuhause, das heißt ja ein Regelwerk verhandeln, dass nachvollziehbar ist und Ausnahmen gestatten, wenn es die Lage erfordert.  Wir wollten, dass unsere Kinder Weltbürger und Lokalpatrioten sein würden. Wir wollten die Welt ins Klassenzimmer holen und ihre unmittelbare Umgebung, die Prignitz, mit ihnen erkunden. Toleranz und Friedenserziehung gelingt nicht, wenn man Welt oder Heimat ausschließt. Wir wollten Freund sein dürfen mit unseren Kindern und den dazugehörenden Familien. Hört sich am einfachsten an, aber ist bis heute der schwierigste Punkt. Freunde vertrauen sich, sagen sich die Wahrheit und streiten sich auch mal. Aber sie streiten sich, um Standpunkte zu klären, Lösungen zu finden, nicht um sich abzugrenzen von dem Anderen. Verstehen und Freundsein ist ein Aneignungsprozess mit Höhen und Tiefen. Das kann nicht jeder nehmen oder geben, das rückt auch mal zu nah, weil heutzutage alles reibungslos laufen soll, dabei ist es doch die Reibung, die Wärme erzeugt. Und, vielleicht der wichtigste Punkt, wir sind überzeugt davon, dass wir die Kinder in eine Welt entlassen, die wir nicht kennen. Künftige Gestalter  und Gestalterinnen unserer Zukunft werden vielen Herausforderungen  gegenüberstehen, denen sie eher mit Fragen als mit Antworten begegnen müssen. Für diese Kompetenz braucht man Urteilsvermögen und Gestaltungswillen, dazu muss der eigene Standpunkt klar sein und der entwickelt sich, indem es Raum für Phantasie und keine Angst vor dem Fehler gibt.“

 

Vor wenigen Tagen fand unser Pädagogischer Elternabend zum Thema „Konflikte vermeiden, Bindungstheorien“ in einem praxisorientieren Impulsvortrag, unterhaltsam aufbereitet durch die Dozentin Nadine Kleifges, statt. Jesper Juul hat sich in vielen Vorträgen und Veröffentlichungen auf ähnliche Themen bezogen, unter Zuhilfenahme einiger Aussagen soll hier ein weiterer Aspekt hinzugefügt werden.

 

„Das Schlüsselwort heißt Bindung. Ihre Qualität entscheidet über unser Wohlbefinden und unsere Entwicklung als Mensch. Kinder werden mit allen wesentlichen menschlichen Qualitäten geboren und haben daher auch dieselbe Verletzlichkeit und Überlebensfähigkeit wie Erwachsene.“ 

 

Wir haben Kinder bekommen und wir lieben sie und doch ist es eine tägliche Aufgabe, diese Beziehung gesund und stabil zu halten. Die Kinder werden älter und damit auch selbstständiger. So sind wir mit jedem Lebensjahr des Kindes wieder mehr zu unseren Belangen zurückgekehrt. Eine Neubetrachtung ist kein Aufruf zur Helikopterei oder permanentem Lenken, Mitspielen und Gestalten des Kinderalltags. Es ist ein Aufruf, echtes Interesse am Kind aufrechtzuhalten und daraus Antworten abzuleiten, die nicht auf tradierte Erklärungsmuster oder veraltete Erziehungskonzepte zurückgreifen. Echtes Interesse fordert uns auf, über organisierte Familienangebote hinaus, Zeit für unsere Kinder im Alltag freizuhalten. Zeit, um ihre Vorlieben kennenzulernen, spazieren zu gehen, ihre Fragen zu beantworten, von unseren Entdeckungen zu erzählen. Alles, was man eben so macht, wenn man liebt. Möglicherweise verstehen wir dann eher, warum unser Kind laut oder frech wird, sich in eigene Welten zurückzieht, uns nicht mehr folgt, möglicherweise tut es das dann aber auch gar nicht mehr. Wenn man, wie Jesper Juul es sagt, davon ausgeht, dass Kinder mit sozialen Fähigkeiten geboren werden, verantwortlich und nicht egoistisch handeln, wenn ihre Reaktionen und Verhaltensweisen immer sinnvoll sind, dann lohnt es sich, zu überprüfen, ob wir ein Erklärungsmuster für ihr aktuelles Verhalten haben. Und ob sie nicht der Anzeiger dafür sind, was gerade mit uns geschieht. 

 

Unter dem Motto „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr auf eure Handys schaut“ demonstrierten kürzlich in Hamburg ca. 200 Kinder, der siebenjährige Emil hatte die Demonstration organisiert. Gäbe es in Baek auch Schüler, die demonstrierend rufen würden: „Spielt mit mir, nicht mit euren Handys“? Stellen wir uns doch für einen Moment außerhalb und betrachten unseren Familienalltag nachdem wir unsere Kinder aus dem Landweghaus abgeholt haben. Haben wir in den 2-3 Stunden bis zum Abendbrotessen ein wenig ungeteilter Zeit für sie? Es scheint mir keine kühne Behauptung zu sein, dass ein neues Mitglied in viele Haushalte eingezogen ist. Es ist klein, handlich, etwas eckig, mag es, gestreichelt und angeschaut zu werden. Es bekommt zuweilen mehr davon, als die uns umgebenden Personen. Da Montessori-Materialien und digitale Spiele nicht gut vereinbar sind, ist das Handy oder auch das Schweifen in den Weiten des Internets für viele Kinder unserer Schule tabu oder zumindest zeitlich und inhaltlich klar eingegrenzt. Und so können viele von uns fasziniert beobachten, wie unsere Kinder mehr oder wenig geduldig ignorieren, was wir am Nachmittag am Computer oder Handy tun, ohne diesen Spielpartner permanent für sich selbst einzufordern. 

Und möglicherweise haben wir genau deshalb den Eindruck, dass unser Handykonsum gar nicht so raumgreifend ist. Belastbare Studien zu den Auswirkungen des Medienkonsums und des Weilens in digitalen Welten auf die Entwicklung von Kindern unter 12 Jahren sind kaum vorhanden, aber noch viel weniger die Auswirkungen der alltäglichen Mediennutzung von Eltern auf die langfristige Entwicklung der Kinder. 

 

Ein Kind wird kooperieren, solange es gesehen und gemocht wird. Wird es das nicht, wird es andere Strategien entwickeln, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Kinder dürfen und müssen Frustrationsmomente erleben, sie sollen Enttäuschungen überwinden, an Grenzen geführt werden sich anstrengen müssen. Aber nicht, um im „Wie - gestalte - ich – meinen – Familien - Alltag – möglichst – stressfrei - Spiel“ des Erwachsenen mitzuspielen, sondern um sich in gleichwürdiger Beziehung entwickeln zu können. 

 

„Es wird oft gesagt, dass Kinder ihre Grenzen »austesten«, und es ist auch nicht verwunderlich, dass viele Pädagogen und Eltern der Meinung sind, man solle den Kindern mehr Grenzen setzen und überhaupt strenger und konsequenter in der Erziehung sein. Meiner Erfahrung nach ist es jedoch zweckmäßiger, keine »Diagnose« zu stellen, sondern den Mangel oder die Sehnsucht eines Kindes zu ergründen. Denn Kinder, die angeblich ihre Grenzen »austesten«, suchen gewissermaßen nach der wahren Persönlichkeit ihrer Eltern. Sie wollen wissen, wer ihre Eltern eigentlich sind und wofür sie stehen.“ 

 

An der Digitalisierung ist also nicht unbedingt die Gefahr einer Medien – Abhängigkeit unserer Kinder problematisch, sondern vielmehr, dass wir bereitwillig Zeitfressmaschine in unser Leben gelassen haben, die uns in Abhängigkeiten führt und in deren Konsequenz sich die Beziehung zu unseren Kindern verändert hat oder verändern wird. Wir haben dadurch eigentlich kaum einen Mehrwert, außer einer Zeitersparnis in organisatorischen Belangen. Und wir können Infos verteilen. Das birgt allerdings auch die Gefahr, dass meine WhatsApp – Gruppe Teil einer Aufregung wird, von der sie im Jahr 2000 bestenfalls in Einzelgesprächen erfahren hätte. Die Chancen zur echten Meinungsbildung sind geringer geworden, das nur nebenbei. 

 

Nehmen wir also die Verantwortung für das, was in unserem Umfeld und mit uns geschieht in die Hand. »Es ist eine reale Herausforderung, aber gleichzeitig eine äußerst philosophische Angelegenheit, dass jeder von uns für sein eigenes Leben verantwortlich ist - für unsere Emotionen, unsere Gedanken, für unser Sein. Denn es ist erschreckend: In dem Augenblick, in dem du Verantwortung übernimmst, wirst du mit deiner elementaren Einsamkeit konfrontiert. Ich kann niemanden für mein Leben so wie ich es lebe, beschuldigen - ich kann mich zwar auf meine Kindheit beziehen und sagen, dies oder jenes hat mich sehr beeinflusst, aber ich weiß, ich kann mich damit nicht herausreden die Verantwortung für mein Leben trage ich alleine und niemand sonst! 

 

(Zitate aus ‚Aus Erziehung wird Beziehung' von Jesper Juul,  Herder Spektrum, 2005 + Newsletter, Familylab)

Wir fahren einmal im Jahr zu einer gemeinsamen Teamfahrt. Die inhaltliche Ausrichtung dieser Teamfahrt ist ganz unterschiedlich. In diesem Jahr entschieden wir uns sehr spontan, nach Havelberg zu fahren, da wir eine Wertediskussion führen wollten und uns der Rahmen einer 2stündigen Gesamtteamsitzung zu knapp erschien. Es ging uns darum herauszufinden, was jedem im Team wichtig ist, welche Werte ihn geprägt haben und gemeinsame festzulegen. Im nachfolgenden Schritt sollen damit Handlungsanweisungen und Konzept-Überarbeitungen möglich sein. Wenn die Werte besprochen, vielleicht sogar ähnlich sind, entsteht Sicherheit im Miteinander und in der täglichen Umsetzung des Konzepts.

 

In den Gründungsjahren, als es noch darum ging, das Konzept zu entwickeln, führten wir diese Diskussionen um Werte sehr konkret, da wir ein gemeinsames Bildungsverständnis etablieren wollten. Das war eine große Herausforderung, denn in diesen Diskussionen trafen sehr individuelle Lebensentwürfe aufeinander. Und doch, wir kamen aus ähnlichen Gruppen, aus Gruppen, in denen es zur Normalität gehörte, gemeinsam um Standpunkte zu ringen. Ein großer Teil des heutigen Landweg- Teams ist von klein auf in Kindergruppen groß geworden. Tagsüber in Krippe und Kindergarten, ab nachmittags mit dem Schlüssel um den Hals und im besten reformpädagogischen Sinne unterwegs in freier Entfaltung. Unsere Eltern arbeiteten. An den Nachmittagen in unserer Kinderbande gaben wir uns ganz, wir mussten nichts sein, wir verstellten uns nicht und klärten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unsere Missverständnisse. Am Vormittag bewegten wir uns in dem schizophrenen Zustand einer Gesellschaft, die für uns Heimat war, der wir aber nicht trauten. Wir lernten von klein auf, dort einen Teil unserer Wahrheit nicht preiszugeben, Systemen im Allgemeinen nicht zu trauen, widerständig zu sein, Risiken zu wagen. Es gab kein Privateigentum, keine Sicherheiten und in der Festlegung eines Weges keine Zukunft.  Die meisten von uns hatten keine kochenden Mittagsmütter, keine von bürgerlichen Hierarchien geprägten Familien, nur den TV-Ausblick auf Welt. Wir hatten die Pionierleiter, die SED-Direktoren, die Stasi und wir hatten zumindest am Abend dann auch unsere Familien. Als wir jugendlich waren, fühlten wir uns im besten Sinne hoffnungsvoll und orientierungslos, von der Linken in großem Ausmaß verraten. Hatten wir doch schon den Kapitalismus überwunden, den Kommunismus trotzdem nicht erreicht, mit Ochs und Esel den Sozialismus aufgehalten. Für neue Ideologien, egal aus welchem -ismus, Feminismus, Veganismus, Kitzelfetischismus…waren wir nicht zu begeistern. Aber wir trauten uns alles zu, wir hatten Ideen und Mut. Wir hatten mindestens 18 Jahre geübt, nicht zu erschrecken, autoritäres Gehabe und Wichtigtuerei an uns abprallen zu lassen. Wir trafen hier auf andere Zugezogene, die aus dem Mittelstand kamen, Weltgewandtheit voraussetzten und in lässigen Zeitabläufen lebten, ihre Zukunft war meist allein schon durch die Herkunft gesichert. Viele kamen aus der linken emanzipatorischen Ökobewegung. Einige von uns und ihnen hatten Widerstand geübt, aber eben beide auf ganz unterschiedliche Weise, die Menschen aus dem Osten gegen einen Staat, die Menschen aus dem Westteil des Landes gegen ihre Eltern. Unsere Werte waren also keinesfalls gleich. Und nun standen wir uns gegenüber und bemühten uns um Verständigung, anders konnte dieses Projekt ja nicht gelingen. So war sie manchmal spürbar, diese nicht beabsichtigte Abgrenzung, das Sprechen in unsere Muttersprache, und doch das Nichtverstehen. Mit Glück kann das Suchen nach Verständigung positive Spannung erzeugen. Im Konfliktfall allerdings verlässt sich jeder auf sein Muster, gelernt im Kleinkindalter und das ging nicht immer gut aus.

Inzwischen gibt es einen Generationswechsel, unsere Eltern, auch schon einige unserer Pädagog*innen, sind in einem Land erwachsen geworden, dass in ihrer Teenager-Zeit nicht mehr in Ost und West aufgeteilt war. Die Lebenserfahrungen und auch die Werte nähern sich an.

 

Und trotzdem! Damit es uns gelingt, das Bindende zu erkennen und die Unterschiedlichkeiten zu nutzen, brauchen wir für uns alle, für unser Team und Haus einen aktualisierten Wertekatalog. Es war schön, gemeinsam intensiv zu arbeiten, sich auf andere Weise kennenzulernen und von den individuellen Präferenzen zu erfahren. Dabei stellten wir fest, dass Veränderung zunächst ein sehr persönlicher und vor allem ein aktiver Prozess ist. Am Ende des 2. Weiterbildung - Tages durften Wünsche formuliert werden. Unser Team wünscht sich voneinander Dranbleiben, Glücklichsein, Entwicklung, Kommunikationsbereitschaft, Qualitätszeit, Gemeinsamkeit und ein Sich-Zeigen.

 

Früher war nicht alles anstrengend, gemütlich, innig, schwierig, schön - und was es auch war, es bleibt ersetzbar durch ein Heute. Lernen wir doch aus unseren gemeinsamen Erfahrungen und nutzen diese Chance. Machen wir uns in jedem Gespräch bewusst, dass wir alles tun müssen, unsere Beweggründe, unsere Ausgangssituation zu beschreiben, um uns zu verstehen, zu vertrauen und nah zu fühlen. Um uns zu vergewissern, was wir eigentlich wollen. Wenn es anders wäre, dann wären wir ja auch nicht auf dem Landweg. Um es mit Kurt Marti zu sagen: „Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?“

„Ich freue mich sehr darauf, mit euch Schach zu spielen. Aber wir müssen damit beginnen, die Züge der Figuren zu kennen“, sagt der  Neurobiologe H. Luksch der TU München seinen Studenten in der ersten Vorlesung. Die Figur und deren Zug kennen, das ist die Ausgangssituation. Und für viele ‚Schachspiele des Lebens‘ ist eine Schule durch Bereitstellung von Arbeitsmaterialien und Lernanregungen zuständig. Ob einer ein großer Schachspieler wird oder nur die Züge kennt, ist dann eine Frage von Potential und Übung. Egal, wie viel Talent man hat, man wird kein Meister ohne Übung, aber nicht jeder muss ein Meister werden.

 

Eine gute Schulbildung war immer ein hohes Gut. Heute gibt es viele Ängste, dass das Kind sich zu sehr anstrengen muss oder zu wenig, vielleicht „falsch“ lernt. Sicher hat das damit zu tun, dass wir nur ahnen können, welche Kompetenzen das Kind in der Zukunft wirklich braucht. Für unsere Eltern und Großeltern gab es einen verlässlichen Bildungskanon. Der ist nicht unwichtig geworden, aber mit dem freien Zugang auf Daten geht es viel mehr als früher um das problemlösende Lernen und anwendungsbereites Wissen und die Vernetzung. Und gilt nicht immer noch, was Einstein sagte: "Das Ziel der Erziehung muss die Heranbildung selbstständig handelnder und denkender Individuen sein, die aber im Dienste an der Gemeinschaft ihre höchste Lebensaufgabe sehen"?  Statt des klassischen IQ wird heutzutage ein We-Q (also statt des Ich-Quotienten ein Wir-Quotient) erhoben. Diese Kompetenzen erlangt man nicht durch „pauken“. Und das erlangt man sicher nicht im individuellen Alleingang. Das Individuum wird zur Persönlichkeit durch Leben in der Gemeinschaft. In der Reformpädagogik bringt sich das Individuum mit all seinen Fähigkeiten in die Gemeinschaft ein und Lernen wird durch tätiges Begreifen ermöglicht. Lernen ist hoffentlich kreativ, gestalterisch und freudvoll. Aber es soll nicht NICHT sein. Es geht immer um das Lernen, nicht, darum, sich in Selbstdarstellungen zu suchen und möglicherweise nie zu finden. Maria Montessori, auf die wir uns wesentlich beziehen, ist angetreten, um auch den schwächsten Gliedern der Gesellschaft, den Kindern aus Armenvierteln und Kindern mit Beeinträchtigungen, ein Lernen zu ermöglichen. Das tat sie nicht, indem sie sie in einen Raum setzte und darauf wartete, dass die Kinder irgendetwas interessierte. Das ist ein Irrglaube, dessen Ausgangspunkt sich bestenfalls in einer Vermischung unterschiedlichster moderner Denkansätze, u.a. dem von Alice Miller, erklären lässt. Montessoripädagogik ist leistungsorientiert, es geht um Persönlichkeitsbildung und Unterstützung beim Wissens- und Kompetenzerwerb. Eine gute Schule muss also ihren Fokus auf das erfolgreiche Lernen legen, darauf, es dem  einzelnen Kind zu ermöglichen, das ihm innewohnende  Potential innerhalb einer Gemeinschaft auszuschöpfen. Wer das Druck nennt, ist eingeladen zu prüfen, wo dieses Thema für sie oder ihn einen Ursprung hat.  Natürlich lernen Kinder in jeder Sekunde, in der  sie wach sind. Deshalb ist unsere Verantwortung so groß. Sie lernen von dem, was sie umgibt. Sie lernen ein bisschen auch, zu sein wie wir, denn sie kooperieren, in dem sie kopieren. Sie brauchen zu Hause und in der Schule eine im weitesten Sinne anregende Umgebung. In der Schule geht es innerhalb einer Gemeinschaft um das Erlernen der Kulturtechniken. Schreibenlernen, und das auch noch rechtschreibrichtig, ist anstrengend, ohne Frustrationstoleranz kaum zu meistern. Wer sie nicht mitbringt, kann sie hier - mit Unterstützung durch das Elternhaus - lernen. Das „Lernen lernen“ lernt ein Kind nicht ohne Vorbilder. Innere Zufriedenheit tritt sicher nicht ein, wenn man rumdümpelt. Im Gegenteil, meistens werden diese Kinder mitten in der Gemeinschaft verhaltensoriginell, manche sogar einsam, fühlen sich ausgegrenzt, denn die Begeisterung der anderen ist nicht ihre. Eltern, die in einem Notensystem gelernt haben, können sich das vielleicht nur schwer vorstellen, wie ausreichend, ja, sogar ungemein befriedigend der eigene Lernerfolg sein kann, mit welcher Begeisterung Kinder ihn wahrnehmen und mitteilen. Hier gibt es keine Note, nur die Belohnung durch das eigene Glücksgefühl, eventuell die Anerkennung durch den Lernbegleiter. Diese Erfahrung können Kinder machen, wenn eine Anforderung im Raum stand, eine Erwartung formuliert wurde. Unter großer Anstrengung etwas gelernt zu haben, ist wie Sex - - -  es gibt keine Noten, aber wenn die Leidenschaft beteiligt war, schüttet man unheimlich viele Glückshormone aus und will es immer wieder. Nicht jeder hat das, aber jeder könnte. Verwehrt den Kindern das nicht! Um im Lernen Glücksmomente zu erleben, muss man auch Strategien haben, mit Schwierigkeiten und Krisen umzugehen. Lernen geht ja nicht ohne Fehler und Misserfolge. Insofern ist der Spruch: „Lasst es doch!“ ein Spruch, der sich komplett gegen das Kind richtet, es wird zum Egozentriker. Darüber hinaus richtet er sich gegen eine ganze Gruppe von Schülern , nämlich Kinder mit Lernschwierigkeiten. Für Teilhabe braucht es ein Fundament. In der Schule ist das Lesen, Schreiben und Rechnen. Wenn dein Kind zu Hause plötzlich schreibt, dann ist das nicht von allein passiert. Während dem einen Kind die auffordernde Lernumgebung genügte, hat das andere Kind enorme Anstrengungen aufgebracht, um lesen zu können. Wenn es dann zu Hause stöhnt, kann das auch heißen: ‚Bitte sieh, was ich leiste‘.  Eltern, die mehr als 4 Jahre an unserer Schule sind, kennen die Extreme dieser  Diskussion zwischen: Die Schüler lernen zu wenig und Die Erwartungen an der Schule sind zu hoch. Das hat uns immer begleitet, das wird uns immer begleiten. Wir haben Übung darin, uns in diesen Widersprüchen zu bewegen.

 

Auch Diskussionen in der Elternschaft unterliegen Dynamiken, bzw. Trends. Liebe Eltern, ihr könnt immer Teil einer Bewegung sein, aber macht euch klar, dass sind eure Kämpfe, nicht die eurer Kinder! Es sind eure Erfahrungen, möglicherweise Verletzungen, mit einem gleichmachenden Regelschulsystem und Noten. Ihr habt euch gemeinsam mit eurem Kind für diese Schule entschieden und euer Kind ist glücklich hier, so lange ihr es auch seid. Das ist keine Aufforderung, unkritisch zu sein, nur achtsam mit euch und euren Kindern. Es soll euch Mut machen, gründlich zu prüfen, welche Schulform ihr wählt. Es gibt andere Schulformen mit anderen Werten, auch anderen Erfahrungen nach der Grundschulzeit. Wir arbeiten so, wie wir die Schule im Konzept und öffentlich darstellen. Was ihr in den Hospitationen seht, findet in ähnlicher Form die gesamte Grundschulzeit statt. Wer nicht hospitiert, äußert Vermutungen. Stabilität in der Konzeptinterpretation können wir zusichern. Eine Stabilität in der Schulbegleitung eurer Kinder, auch bei Schwierigkeiten, können wir ebenfalls absichern, der nicht unwesentliche Rest liegt dann bei euch und unserem Miteinander.

 

 

 

Das Elternwochenende findet einmal im Jahr statt. Neben der Hospitation und den Einzelgesprächen ist diese Veranstaltung eine der seltenen Möglichkeiten, sich auf die Begleitung eines Kindes in einer reformpädagogischen Einrichtung vorzubereiten. Da die Schulzeit hier auch für euch als Eltern eine andere ist als für eure Nachbarn, ist diese Vorbereitung notwendig. Im Allgemeinen könnt ihr nicht auf Erfahrungswissen zurückgreifen, denn die wenigsten waren auf einer reformpädagogischen Schule. Wenn ihr eure eigene Schulerfahrung zitiert, ist das in der Regel kaum vergleichbar, denn nicht nur Schulkonzepte haben sich verändert, auch die Gesellschaft verlangt andere Kompetenzen, unsere Einrichtung auch.

 

Einmal im Jahr treffen wir uns zum Elternwochenende, um die Materialien kennenzulernen, das Konzept zu diskutieren und andere Eltern und deren Fragen zu erleben.  

 

Früher war das anders. Wir trafen uns 14-tägig zum Pädagogischen Lernabend, um mit den Materialien zu arbeiten und pädagogische Fragen zu diskutieren. Übrig geblieben ist einmal im Jahr ein Pädagogischer Lernabend und ein Elternwochenende. Das gegenseitige Kennenlernen, welches ja erst eine individuelle Betreuung eurer Kinder ermöglicht, muss nun auf anderen Wegen passieren. Das ist nicht immer einfach und so mancher Konflikt rührt daher, dass die gegenseitigen Erwartungen nicht ausreichend kommuniziert wurden. Die Notwendigkeit, sich zu fragen, warum man an dieser Einrichtung ist und was das an Herausforderungen und Umdenken bedeutet, ist in den letzten Jahren jedenfalls nicht geringer geworden. Wenn Eltern regelmäßig Fachliteratur lesen, in unterschiedlichen Einrichtungen hospitieren und einen sachlichen Meinungsdiskurs zu dieser Pädagogik im häuslichen Bereich führen, dann kann das gelingen. Aber auch das Lesen der Grundlagenliteratur scheint seltener geworden zu sein, oft reichen uns die Häppchen aus Blogs und Zeitschriften. In den Gründungsjahren hatten die Eltern keine andere Wahl, als immer wieder durch eine gründliche Wissensauffrischung ihre Entscheidung zu überprüfen, denn sie hatten keine Erfolgsberichte älterer Schüler oder andere Sicherheiten, auf die sie ihre Vertrauensbasis stützen konnten.  

 

Landweg-Eltern werden einmal im Jahr zu dieser Wochenend-Veranstaltung eingeladen. Das Team nimmt sich viel Zeit für die Vorbereitung des Ablaufs und der Darbietungen, da es auch für das Team ein gutes Vertiefen der pädagogischen Werte ist, aber vor allem eine gute Gelegenheit, euch als Familien kennenzulernen. Manchmal kommt es vor, dass die Relation von Eltern und Pädagogen nicht ganz gewahrt bleibt. Wenn 7 Pädagogen antreten, um mit 12 Eltern zu arbeiten kann in jedem Fall von individueller Elternbetreuung gesprochen werden. Wir werben dafür, dass beide Elternteile das Elternwochenende nutzen, vielleicht im jährlichen Wechsel. Mindestens 2 Elternwochenenden hat ja ohnehin jede Familie in ihrer Landwegzeit besucht, einen im Kindergarten und einen in der Schule. Ihr dürft aber auch zu jedem Angebot wiederholend gehen, denn die Themen sind bestenfalls ähnlich, aber nie gleich, aufbereitet. Das Verstehen der Entwicklungsbedürfnisse der Kindergarten-Kinder und das Begreifen der Lerninhalte eurer Kinder durch das Bespielen der Materialien ist ein wertvoller Schatz. Außerdem lernt ihr fast alle Kollegen kennen, die mit euren Kindern arbeiten.  

 

Viele Eltern fragen sich, ob und wann ihr Kind schulreif ist. Die Altersvorgabe und der Kriterienkatalog der Bundesländer helfen nicht unbedingt weiter, auch wenn sie eine Orientierung bieten. Das Entwicklungsgespräch im Kindergarten kann ebenfalls eine Unterstützung bei der Entscheidungsfindung sein. Neben bestimmten Entwicklungskriterien, spielen bei der Entscheidung die Gruppenaufstellung, die individuelle Reifung, auch Freundschaften, eine Rolle. Für die künftigen Baeker Schüler ist auch von Bedeutung, ob ihr als Eltern für diese Veränderung bereit seid. Könnt ihr gewährleisten, dass ihr die Kinder jeden Morgen pünktlich bringt, es gibt ja keinen Schulbus? Habt ihr die notwendige Zeit für sie, um am Nachmittag mit ihnen den Schulalltag zu besprechen, vielleicht auch zu üben, was ihnen schwerfällt? Traut ihr euren Kinder gewisse Anstrengungen zu und seid ihr im Bedarfsfall bereit, Konfliktsituationen mit ihnen durchzustehen? Habt ihr euch Zeit genommen, Schulabläufe und Personal kennenzulernen? Das Arbeitspensum, der zeitliche Ablauf und die Erwartung an die selbsttätige Arbeit des Kindes sind hoch. Die Themenbreite ist enorm und das altersgemischte Arbeiten eine große Herausforderung. Prüft in jedem Fall ob euer Kind dem gewachsen ist, langfristig auch gewachsen bleiben wird. Wenn ihr euch entschieden habt und die Kinder zu uns kommen, dann bekommt ihr eine kooperierende, leistungsorientierte, weltbildende, offene Schulgemeinschaft mit Lehrern, die engagiert und reflektierend arbeiten und die bereit sind, eine feste Bindung mit euch und euren Kindern einzugehen.

 

Wenn wir uns als Landweg - Gruppe definieren, dann gehen wir davon aus, dass wir durch unsere Kleinheit und Homogenität eine Gemeinschaft sind. Da lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Gemeinschaft ist „eine wechselseitige Verbindung von Personen..., die nicht ausschließlich (rational) zweckorientiert, sondern auch auf Zuneigung und innere Verbundenheit angelegt ist“ (bpb, Politlexikon). Im Rechtsgebrauch ist eine Gemeinschaft ganz einfach eine Vertragsgemeinschaft. Gemeinschaften können freiwillige und unfreiwillige Mitglieder haben, während z.B. Eltern in unserem Kulturkreis freiwillig Mitglied ihrer gegründeten Gemeinschaft Ehe sind, wird das Kind unfreiwillig Mitglied in seiner Familie. Es gibt Klassengemeinschaften, Schicksalsgemeinschaften, Notgemeinschaften, Zweckgemeinschaften... Und was sind nun wir? Was sind wir als Eltern, die einen Vertrag unterschrieben haben, als Teammitglieder, die miteinander arbeiten und als Kinder, für die schon der Start ins Leben in einer Gemeinschaft begann, die sie nicht gewählt haben? Was bedeutet es also, zusammen zu sein mit der vielleicht einzigen Gemeinsamkeit, dass Kinder gut begleitet werden sollten? Und gibt es für dieses „gut begleitet“ überhaupt ein gemeinsames Verständnis?

 

Hier in Baek treffen verschiedene Sozialisierungen zusammen, Frauen und Männer, Ost und West, Einheimische und Zugezogene, „Hippies“ und „Großgrundbesitzer“, ...aber eben auch viele individuelle Biographien und Lebensentwürfe. Vor Ort müssen wir beantworten, wie wir die unterschiedlichen Biographien und die daraus resultierenden Herangehensweisen vereinen können,  so dass für alle eine gute Basis gegeben ist. Denn nein, das ist kein reines Dienstleistungsunternehmen und nein, das ist nicht messbare Leistung, die abgeliefert werden muss, wir gestalten das zusammen. Es geht um Qualität, um Wohlfühlen und um Stabilität. 

 

Zunächst mal wächst ja Verständnis füreinander, wenn man sich in Klischees bewegt, weil Handeln dann vorhersehbar und dadurch einschätzbar wird. Im Flur der Schule kann man das gerade betrachten: Jungs sind stark, unordentlich, mutig, frech, und Mädchen sind zickig, hübsch, erpresserisch nett und wollen bestimmen. Sicher alles auch übertragbar auf Männer und Frauen. Menschen aus dem Osten sind  weltfremd (haben die ja nie gesehen), ganz und gar untauglich für demokratische Prozesse (woher auch mit Diktatur- Erfahrung), ungesund ernährt (hatten ja nischt), promiskuitiv (wees man ja, mit FKK und so), saufen zu viel (gab ja keine besseren Drogen) und unmodern (ihr 20. Jahrhundert setzte erst 89 ein). Wessis sind ängstlich (mit der Mami zu Hause), arbeitsscheu (mussten ja nie), egozentrisch (gab ja keine Pioniernachmittage und Appelle an die Gemeinschaft), reden über Sachen, von denen sie keine Ahnung haben (haben sie ja in der Schule gelernt) und unlocker (hatten ja früher schon zu viele Versicherungen). Die Einheimischen haben keine Ahnung von städtischer Coolheit und die Zugezogenen haben keine Ahnung von einheimischer Treue. Die Hippies sind die heimlichen Dogmatiker und die Großgrundbesitzer die unheimlichen Pragmatiker.

Jenseits dieser Klischees, die in letzter Konsequenz eben auch nicht weiterhelfen, braucht es das ehrliche Interesse aneinander - oft benannt mit dem Begriff Vertrauen. 

 

Vertrauen ist aber eher schon der nächste Schritt und in der Häufigkeit seines Einsatzes als Worthülse zuweilen missbraucht worden. Zunächst braucht es ein vollständiges Einlassen, auf das, was sich jeder von uns - bis auf die Kinder - tatsächlich ganz und gar freiwillig ausgesucht hat. Einlassen bedeutet, einen Prozess zu führen, der von Wechselseitigkeit geprägt ist. Wer glaubt, dass das ohne Ärger, Irritationen und Enttäuschung läuft, der irrt. Natürlich nur in dem Rahmen, den eine solche Bildungseinrichtung abruft und begleiten kann. Die Pädagogen sollten interessiert sein, die Familien kennen zu lernen, ihre Sozialisierung zu begreifen, Gesprächsangebote bereithalten. Mit dem Kind in eine Beziehung gehen zu wollen, heißt die Familie verstehen zu wollen. Eltern sollten sich ausgiebig und über das Konzept-Thesenpapier hinaus mit den Inhalten beschäftigen, weil das die einzig greifbare Materie in so einem Haus ist. Es hilft Kindern im Kindergarten- und Schulalltag, wenn Eltern Veränderungen und notwendigen Teamprozessen gelassen begegnen, wenn sie Gesprächsbereitschaft zur Verfügung stellen, aber den Kindern auch den Ort als ihren eigenen Erfahrungsraum lassen. Es hilft Kindern vor allem, wenn die Erwachsenen darum wissen, dass es in ihrer Verantwortung liegt, Vertrauen aufzubauen, dieser Prozess ist nicht delegierbar. 

 

Wir widmeten in der Schule die letzten 2 Wochen dem Thema „Gefühle“, obwohl man ja glauben könnte, dass dies keiner Schulstunde bedürfte. Gefühle hat man oder hat man nicht, aber inwiefern sind die für ein späteres Leben (und „Schulstoff“ wird ja allzu gern auf ein späteres Leben überprüft) verwertbar? Es ist eine große, vielleicht die größte Sache in einer (Klassen-) gemeinschaft darüber nachzudenken, wer man so ist, was einen unterscheidet und wer man sein will. Und nicht jedes Kind kann ehrlich mit sich und anderen sein, mit seiner Trauer, seiner Wut und seiner Liebe, auch das braucht Übung. Wer sich kennt und mag mit Haut und Haaren, kann lieben, kann halten, kann loslassen.

 

Offenheit und Vertrauen sind keine Floskeln. Wir sollten das vorleben, auch und vor allem die Pädagogen. Wer sich nicht einlassen kann, geht besser dahin, wo das gar nicht nötig ist. Wer nicht vertrauen kann, hat das möglicherweise als Kind in seiner kleinen Herkunfts-Zelle, der Familie oder Gemeinschaft, nicht gelernt. Im Interesse des eigenen Kindes wäre die Chance, das in so einem kleinen Rahmen neu zu lernen, durchaus nutzbar. Weil dann eine innere Freiheit wachsen kann, die mit Friedlichkeit einhergeht. Eure Kinder lernen so oder so von euch und von uns, egal ob wir das wollen. In einer Gemeinschaft kann das ein sehr schöner Prozess sein.

 

 

 

Wir alle kennen vermutlich diese Situation: Kind versteckt sich hinter dem Baum, es faucht und knurrt, dann ertönt ein langgezogenes „Nä, nääää“ in Richtung der Pädagogin. Reflexhaft wenden wir uns ab, erwarten, dass die Pädagogin sich darum kümmert oder, wenn es das eigene ist, schimpfen wir; ahnend, dass es das bei der nächsten Situation wieder machen wird. „Wäre es besser, sich nicht einzumischen?“,  fragen wir uns im gleichen Atemzug. Und das Kind fasst es in einem Statement zusammen: „Du hast mir gar nichts zu sagen!“ Wir denken kurz darüber nach, ob das stimmt oder was das Kind veranlasst haben könnte, so zu reagieren, bevor wir hektisch, hoffentlich ungesehen, den Platz verlassen.

 

Hat sich etwas verändert oder hat sich unsere Wahrnehmung verändert? Sind wir einfach älter geworden oder hatten unsere Eltern ähnliche Fragen an uns? Nachweisbar ist, dass sich das Bild vom Kind geändert hat, dass es seit ca. 100 Jahren eine starke reformpädagogische Bewegung gibt und das gesellschaftliche Umbrüche, wie z.B. Ende 1945 oder 1989 immer auch zu  Umbrüchen in der Erziehung führten. Aus der Ablehnung einer Pädagogik in der die Kinder in gestärkten Lätzchen zusammen am Tisch saßen und den Tischspruch sprachen, der Ablehnung einer auf Dogmen angelegten Gesellschaft, ist unter dem Stichwort Reformpädagogik eine Ablehnung von allgemeinen Anforderungen an das Kind geworden. Montessori und viele ihrer Zeitgenossen waren aber letztlich den gestärkten Schürzen und Tischgebeten näher als viele glauben. Aus der Emanzipation von tradierten Vorstellungen ist ein großes Missverständnis gewachsen. Der Wunsch nach einer Kindheit in Freiheit wurde gleichgesetzt mit einem notwendigen Rückzug der Erwachsenen. Aus „Hilf mir, es selbst zu tun“ ist  entweder ein „Gut ist, was du selbst tust“ oder gar ein „Wenn du mich in Ruhe lässt, kannst du es selbst tun“ geworden. „Hilf mir“ bedeutet jedoch das Vorbereiten der Umgebung, das Ganz – und - gar – anwesend – sein , das Zeigen, das Begleiten, das Formulieren von Erwartungen. Es bedeutet allerdings auch nicht: „Hilf mir, dass ich es nicht tun muss“.

 

Hier wird ein Teil der Problematik deutlich. Wir können nicht an den Stellen, wo es für uns bequem ist, Montessori zitieren: „Das Kind weiß selbst, was das Beste für es ist. Lasst uns selbstverständlich darüber wachen“ und das Konzept an den Stellen, wo es all unsere Kompetenzen herausfordert als veraltete Pädagogik ablehnen: „Das Kind formt von sich aus den zukünftigen Menschen, indem es seine Umwelt absorbiert. Eine Anerkennung dieses großen Werkes, das das Kind vollbringt, bedeutet jedoch nicht eine Herabsetzung der elterlichen Autorität; im Gegenteil, sind diese einmal davon überzeugt, nicht Baumeister, sondern Helfer des Aufbaues zu sein, werden sie umso besser ihre Pflicht erfüllen und das Kind mit größerem Weitblick unterstützen. Aber nur, wenn diese Hilfe in angemessener Form erteilt wird, kann das Kind einen guten Aufbau vollbringen. Auf diese Weise stützt sich die Autorität der Eltern nicht mehr auf ihre Wünsche an sich, sondern auf die Hilfe, die sie ihren Kindern zuteil werden lassen. Darin gründet die wahre große Autorität und Würde der Eltern.“ M. Montessori glaubte nicht, dass das Kind von allein wächst, sie hat den Erwachsenen in ihren Schriften nie aus seiner Verantwortung entlassen, ihn als Teil der vorbereiteten Umgebung definiert und sie behauptete, dass das Kind an seiner Umgebung wächst: „Nur die normalisierten, von der Umgebung unterstützten Kinder offenbaren in ihrer sukzessiven Entwicklung die wunderbaren Fähigkeiten, die wir beschreiben: Die spontane Disziplin, die ständige freudige Arbeit, die sozialen Gefühle der Hilfe und des Verständnisses für die anderen.“ 

Für uns als Eltern ist das aber alles sehr abstrakt und das Wort Autorität hat ohnehin einen Beigeschmack. Wir wissen nur, dass uns der Gedanke der Eigenverantwortung des Kindes, das Aufwachsen ohne wie auch immer geartete Zwänge (viele von uns sind deshalb aufs Land gezogen), der Gedanke von schadstofffreier und  emanzipatorischer Begleitung gefällt. Wir wollen es so, wie wir es selbst erlebt haben oder wir wollen möglicherweise das gerade nicht.

 

Es hat sich viel verändert in den letzten 70 Jahren. Während Frauen ebenfalls zum Einkommen beitragen, haben Männer Betreuungsaufgaben übernommen. Die anwesende Mehrgenerationenfamilie, mit ihren unterschiedlichen Wertvorstellungen gibt es kaum noch in der Lebensrealität der Kinder. Um so sicherer und komfortabler wir als Gesellschaft lebten, um so selbstverständlicher erfolgte der Rückzug ins Private. Um so mehr Zeit blieb für den Einzelnen, Identitätsfindung zu betreiben. 

Es ist ja durchaus trendy, sich mit 40 noch mal komplett von seinen Eltern abzuwenden, radikale Nabelschau unter dem Stichwort der radikalen Therapie. Diese Identitätssuche bis ins hohe Alter unterscheidet uns grundlegend von anderen nichtwestlichen Kulturkreisen und den Preis zahlen unsere Kinder

 

Viele Eltern sind zwar da, aber aus unterschiedlichsten Gründen abwesend. Andere Eltern bedienen ihr Kind, um es zu belohnen, zu verwöhnen, um den Alltag effektiver zu gestalten, aus schlechtem Gewissen oder der Angst, nicht geliebt zu werden. Egal wie, ob wir zu sehr oder zu wenig anwesend sind in der Lebenswelt des Kindes, wir erziehen es - und wir erziehen es immer in Auseinandersetzung mit unserer eigenen biographischen Erfahrung. Kinder spiegeln, was sie sehen, was sie erleben, auch das, was sie nicht verstehen. Und so stellt das Verhalten der Kinder in unserem Haus Fragen an uns als Pädagogen und Eltern.

 

Das, was auf dem letzten pädagogischem Elternabend irgendwann unter dem Wortgerüst „freche Kinder“ zusammengefasst wurde, drehte sich um die Frage, wie es kommt, dass einige Kinder ihre Gefühle gar nicht steuern können, also eine mangelnde Impulskontrolle haben, es ging um Konventionen und die Frage wie wir als Eltern oder Pädagogen damit umgehen können, vor allem dann, wenn es nicht unser eigenes Kind ist. Karola Behrend, Versammlungsleiterin, beschrieb es als ein modernes Phänomen. "Kinder bräuchten ein ganzes Dorf, das sie erzieht." und den Kindern der heutigen Zeit sei das Dorf abhanden gekommen. Unsere Pädagogik konsequent zu Ende gedacht, kann doch nur heißen, dass wir uns authentisch an die Kinder wenden dürfen, das wir sie nicht belehren, sondern mit ihnen im Gespräch sind, uns nicht abwenden, um die beobachtete Situation mit anderen Erwachsenen auszuwerten. Ein Kind lernt Impulskontrolle nur, wenn wir reagieren, und zwar so normal wie möglich. Es ist ja irre, dass in Häusern wie den unsrigen zeitweilig eine normale Erwachsenen-Reaktion abhanden gekommen zu sein scheint aus Angst, es falsch zu machen.  

 

Zusätzlich tauchte die Frage auf, welche Erwartungen an Kinder im Kindergarten gestellt werden dürfen, warum Kinder „arbeiten“ müssen und ob Kinder, die nicht mit den Materialien gearbeitet haben, in die Schule könnten. Nein, können sie nicht! Sie sind sicher trotzdem irgendwie schulreif und hoffentlich auch glücklich, aber nicht schulbereit für unser Schulkonzept. Dabei geht gar es nicht um die Arbeit mit Montessorimaterialien, sondern um das Interesse und die Motivation am sinnvollen Tun. Das Erreichen der Standards für die Schulfähigkeit, nachlesbar auf jeder mittelmäßigen Website, spielt in einem Konzept, das auf Eigenständigkeit und Selbstverantwortung setzt, eben eine größere Rolle. Dabei sind besonders die emotional-sozialen Voraussetzungen relevant. Es macht in der Freiarbeit einen Unterschied, ob ein Kind im Vorschulalter Vermeidungsverhalten oder Anstrengungsbereitschaft zeigt. Kinder können viel über Konditionierung lernen, aber leider nicht an unserer Schule, denn dafür ist sie nicht konzipiert. 

Kinder nehmen auf, was wir ihnen mittels unserer Authentizität und Persönlichkeit anbieten und wenn wir mit Freude und eigener Anstrengungsbereitschaft arbeiten, werden sie es auch. Wenn wir im Widerstand sind, wir als Eltern oder wir als Pädagogen, werden sie es auch sein. Wenn wir uns abwenden, werden sie sich auch abwenden oder uns so lange herausfordern, bis wir sie sehen und unseren jeweiligen Rollerwartungen gerecht werden. Das ist anstrengend, vor allem für die Kinder.

 

Bei allen Fragen, die zum Elternabend vielleicht offen geblieben sind, so wurde doch eines deutlich: Wir können das Dorf sein! Wir sind wenige, aber wir sind, wenn wir es wollen, eine Gemeinschaft und zumindest das ist doch ein großer Trost!

 

Im letzten Schuljahr taucht mehrfach die Frage auf, warum Maria Montessori eine so große Bedeutung habe, sie sei ja nun auch schon 60 Jahre tot und im Konzept würden ja auch andere Pädagogen zitiert. Die in unseren Konzepten zitierten Lebenden, z.B. die Wilds, R. Largo, H.v.Henting, beziehen sich auf M.Montessori.

 

Ihr ging es darum, dass Kinder ihr eigenes Potential optimal entfalten können im physischen wie auch psychischen Bereich. Das ist der Wunsch eines jeden Elternteils. Sie leitete aus gründlichen Beobachtungen und Studien die Bezeichnung der sensiblen Phasen ab und entwickelte entsprechende Hinweise für die vorbereitete Umgebung, so dass das Kind sich nach seinem inneren Bauplan entwickeln könne. Inzwischen sind ihre Erkenntnisse durch die moderne Hirn- und Pädagogikforschung belegt worden. Alle Kinder, die sich entsprechend ihrer Entwicklungsphasen entfalten können, eint das Streben nach Selbstständigkeit, nicht zu verwechseln mit zielloser Bedürfnisbefriedigung. Selbstständigkeit erwirbt man durch aktives und selbstbestimmtes Tätigsein.

 

Um dies im Frieden mit einer Gemeinschaft zu ermöglichen, brauchen sie in ihren Lebensbereichen eine vorbereitete Umgebung,

 

  • die zur Eigenaktivität animiert
  • zum Entwicklungsstand passt
  • in der emotionale Erfahrungen gesammelt werden können. 

Wichtiges Prinzip ist in allen Altersphasen, dass sie so gestaltet ist, dass die Kinder die Umgebung selbst in Ordnung halten können. Für jede Altersklasse muss sie allerdings anders aussehen:

 

0-3 Jahre

Anregungsmöglichkeiten für die Bewegung, Übungen zum Aufbau der Sprache (Rollenspiele, Leseecke...), wohnliche Atmosphäre, wechselnde Anregungen

 

3-6 Jahre

„Möbelkinder“, Gegenstände, welche die Kinder selbst bewegen können (kleine Möbel), tief hängende Spiegel und Bilder, viele Gegenstände, mit denen sie ernsthafte Arbeiten verrichten können (Tisch decken, Essen servieren, Gläser spülen, Waschen, Bügeln...) und Materialien zum Begreifen der Dimension der realen Welt (Größe, Länge, Farbe, Geruch...) also das Montessorimaterial, die Umgebung darf für diese Altersphase auf keinen Fall überladen sein

 

6-12 Jahre

in dieser Phase gilt „das Fenster zur Welt weit zu öffnen“, raus aus den Klassenzimmern, vor allem viele Ausflüge, Erkundungen, Hilfsmittel in Schulen sind die Kosmischen Erzählungen, gut sortierte Regale mit Grammatik- und Mathematikmaterialien, umfangreiche Auswahl an altersentsprechenden Sachbüchern

 

Während die 3-6jährigen hauptsächlich unsere erwachsenen Tätigkeiten und Arbeiten imitieren, gehen die 6-12jährigen auf eigene Entdeckungsreisen. Beides geschieht in sehr spielerischer Vorgehensweise.

 

Alle Forschungen zum Spielverhalten weisen darauf hin, dass das Spiel von entscheidender Bedeutung ist für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes. Spielen ist der Nährboden für den Auf- und Ausbau personaler und schulischer Fertigkeiten. (vgl. www.kindergarten.de/2100)

 

In der Montessoripädagogik werden diese altersentsprechenden Spiele und Tätigkeiten oft Arbeit genannt. Arbeit ist für Montessoripädagogen ein positiv besetzter Begriff, es ist nicht abgegrenzt vom allgemein als positiv anerkannten Begriff Spiel. Im Hinblick auf den Schulübergang ist die Fähigkeit vertieft arbeiten und/oder spielen zu können wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Start. In seiner höchsten Form ist es die Polarisation der Aufmerksamkeit. 

 

Beobachtet eure Kinder: Welche Verabredungen treffen sie, wie kooperieren sie, welchen Beginn, welches Ende hat das Spiel, vertiefen sie sich in ihr Spiel, welche Spielformen machen ihnen am meisten Freude, welchen Regeln folgt das Spiel? 

 

Ein schulbereites Kind möchte an der Gemeinschaft Gleichaltriger aktiv teilnehmen, es will Rollenträger sein (Aufgaben übernehmen), es hat einen gut entwickelten Wortschatz, schreibt und kritzelt, zählt bis 20, rechnet in Alltagssituationen, zeichnet detailgetreu, ist zu einer interessengeleiteten Konzentration fähig, es kann aber auch schon Dinge erledigen, die keinen Nachahmungscharakter oder klassischen Spielcharakter haben, wie z.B. im Kreis sitzen und geduldig zuhören.  Es kann sich anstrengen (auch bei nicht frei gewählten Tätigkeiten) und es kann sich aktiv entspannen. Es ist „ein Arbeiter“, in jeder Hinsicht neugierig und lässt sich ein auf Unbekanntes. Das sind allgemeine Standards, die auf die meisten Kinder in dieser Altersphase zutreffen, natürlich gibt es Ausnahmen. 

 

Da die Kinder an unserer Schule auf die im Vorfeld beschriebenen Kompetenzen zurückgreifen können müssen, um eine befriedigende Freiarbeit zu erleben, ist die Verantwortung, die Entwicklungsbedürfnisse der jeweiligen Altersphasen zu kennen und die sensiblen Phasen beim einzelnen Kind zu erkennen, sehr hoch. In unserem Haus kann man aktuell sehr schön das Zusammentreffen der Altersphasen beobachten, z.B. zwischen den 6jährigen Kindern, die dem Kindergartenraum entwachsen und sich dementsprechend irritierend verhalten und den Schulkindern, die laut Montessori ganz besonders in der Altersphase zwischen 8-12 Jahren, ihre Moralität entwickeln.

 

Schüler können in der Regel, was Lernabläufe betrifft, zunächst eher positive Schulerfahrungen in stark angeleiteten Schulformen machen, weil sie ein bestimmtes Ergebnis in einem bestimmten Rahmen erledigen und darüber hinaus nicht auf ihre eigenen Gestaltungskräfte zurückgreifen müssen, jedenfalls nicht täglich. Gemessen wird der Lernerfolg am Durchschnitt. Das ist sehr entlastend. Kinder und Eltern, die unsere Schule vor Ablauf der 6 Jahre verlassen, wundern sich häufig, wie „leicht“ Schule sein kann. 

 

In unserer Schulform gibt es diese Ergebnisorientierung und Aufgabenbegrenzung selten, aber es gibt immer Anforderungen an den Einzelnen, unter anderem die, Lösungswege zu entdecken und eigenverantwortlich zu arbeiten. Eigenverantwortlich handeln und eben doch Teil einer Gemeinschaft sein, das bedeutet eine hohe Anstrengungsbereitschaft zu haben und auch Kompromisse aushalten zu können. Das ist sehr anstrengend. 

 

Kinder, die es gewohnt sind, stark angeleitet zu werden und Kinder, die ohne Regeln und Strukturen aufwachsen, haben es aus unterschiedlichen Gründen extrem schwer, sich in unserem Rahmen zurechtzufinden. Um dem ein wenig auf die Spur zu kommen und auch Hilfe in der elterlichen Begleitung des Kindes zu erhalten, findet am  9. Dezember ein Pädagogischer Elternabend zum Thema „Häusliche Begleitung im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Grenzen“ statt. Dazu haben wir auf bezugnehmend auf den Wunsch einiger Eltern Carola Behrend eingeladen. Sie wird eine kurze Einführung vorbereiten und steht dann zur Verfügung für eure Fragen zur eurer häuslichen Begleitung.

Es gab wohl nicht viele Perioden in der Kulturgeschichte der Deutschen, in der die Menschen sich so einfach so gut ernähren konnten. Alles, was krank macht oder das Unbedingte - Gesundbleiben ist zu einem der Hauptthemen unserer Zeit geworden.

Essen kann krankmachen, so glauben wir jedenfalls, auch wenn diese Herangehensweise für viele Völker bestürzend sein muss, weil die wissen, Nichtessen kann tot machen. Dass Hungersnot wiederum mit einer ungerechten Verteilung zwischen armen und reichen Nationen, auch der Lebensmittelpolitik zu tun hat, dürfte bekannt sein. Wir leisten uns dieses Luxusproblem,  Lebensmittel als krankmachend auszusortieren, weil unsere privilegierte Nation dazu in der Lage ist. Wenige Themen werden in der Elternschaft so kontrovers diskutiert wie die Ernährung und was man bereit ist, dafür zu investieren, tolerieren und integrieren. In unserer Kinderschar findet sich diese Vielfalt wieder:

 

Der Spartaner 

Dieses Kind isst nichts, was vermengt ist. In der Regel isst es die Nudeln, Kartoffeln und den Reis leicht gesalzen, mehr braucht es nicht, gelegentlich noch einen Rohkostsalat. Die Spartaner vergessen sich total, wenn es Süßes gibt, dann sind sie nicht mehr zu halten und stapeln Süßes auf dem Teller. An solchen Tagen sind sie die letzten, die noch im Speisesaal sitzen, einfach, weil sie nicht aufhören können, so lange noch etwas da ist.

 

Der Hausmannsköstler

Diese Kinder würden am liebsten jeden Tag Fleisch essen. Fleisch, Soße und Kartoffeln machen sie in dieser Kombination besonders glücklich. Sie lieben Pommes. Ein Indisches Curry probieren oder Fisch ist nicht so ihre Sache. Deshalb haben sie fast immer ein Brot dabei. Manchmal essen sie gar nicht, es reicht ihnen zu warten, bis sie den heimischen Kühlschrank wieder öffnen können. Zu Hause teilen sie in der Regel mit, dass es nichts gab, was ihnen schmeckt.

 

Der Genießer

Dieses Kind isst alles, es probiert aus, es mag Fisch genauso wie Fleisch, es liebt Spinat genauso wie rote Beete. Es genießt das Essen und probiert eigene ungewöhnliche Kombinationen auf dem Teller aus. Zu Hause erzählt es, was ihm besonders gut geschmeckt hat. Hunger hat es selten. Kuchen oder Süßes nimmt bei diesen Kindern keinen besonderen Stellenwert ein.

 

Der Pragmatiker

Dieses Kind isst, weil man ja essen muss. Meistens isst es schnell und in Menge. Es freut sich über alles, was es gibt. Der Pragmatiker hat auch öfter mal einen Essenswunsch und freut sich, wenn das Wunschessen auf dem Tisch steht. Zu Hause angekommen, hat er wieder Hunger und vergessen, was es zu Mittag gab.

 

Der Skeptiker

Dieses Kind weiß, Essen ist eine politische Angelegenheit. Ernährungsgewohnheiten anderer werden zu Hause häufig diskutiert und so weiß das Kind nicht genau, ob das, was es jetzt vielleicht essen wollen würde, wirklich gut für es ist. Fleisch macht dick, Gemüse ist gespritzt, Fisch ist ungesund wegen der Schadstoffe und Gekochtes aus Aluminiumtöpfen sollte ohnehin niemand essen. Dieses Kind isst ganz vorsichtig und extrem langsam. Es befragt die Erwachsenen, wie ihnen das Essen schmeckt und berichtet zu Hause, was die anderen Mitesser so verspeist haben. 

 

Weil die Essensbedürfnisse unserer Kinder so unterschiedlich sind, wie die der Elternschaft, ist es uns eine Herzensangelegenheit, diesen unterschiedlichen Essensbedürfnissen gerecht zu werden. Es ist uns aber auch wichtig, die Ernährung als Teil der Toleranz- und Vielfältigkeitserziehung zu sehen. Über Lebensmittel lernt man eben auch andere Kulturkreise kennen. Wir kochen nicht vegan, nicht rein biologisch, nicht fettreduziert, nicht zuckerfrei. Wir schätzen alle Lebensmittel und vor allem die Vielfalt. Egal, mit welchen Ernährungsgewohnheiten ein Kind groß wird, wir wünschen uns, dass sie Neugierde und Lust entwickeln, Verschiedenes zu probieren, dass sie erfahren, dass unser Essen aus „Lebens“mitteln, nicht Krankmachern, zusammengestellt wird. Und klar ist es letztlich so, dass sie in der Konsequenz das Wenige, wenn nur das da ist, essen können sollen und eben nicht ihre Pommes in einem asiatischen Land brauchen. Wir schätzen die Interpretationen unserer Köche, deshalb haben wir auch in den Anfangsjahren 2 Köch/innen gehabt, so wie jetzt auch. Die Köche haben völlige Gestaltungsfreiheit in der Ausgestaltung des Vollwertkonzepts. Eine reine Bioküche wird es bei uns nicht geben, weil das auch nicht die Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten unserer Familien wiederspiegelt, eine Ausrichtung des Einkaufs auf Bio- und Regionalprodukte, vor allem aber unverarbeiteter Lebensmittel, allerdings schon. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist genauso Teil unseres Konzepts, wie die Förderung des Denkens und Handelns in ökologischen Zusammenhängen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Herstellungsverfahren, Ernährungsgewohnheiten, Auswirkungen industrieller Lebensmittelindustrie auf ökologische Zusammenhänge wird mit allen Beteiligten geführt, auch den Kindern. Eine kritische Auseinandersetzung heißt aber auch, Diskussion unter dem Stichwort der Eigenverantwortung und mit der gebührenden Toleranz zu führen.

 

Der Tag beginnt für die Kinder mit einem Frühstücksbüfett, darauf finden sich bis zu 3 Sorten Brot, Gemüse, Wurst, Käse, Müsli und Cornflakes, einmal in der Woche Joghurt oder Haferbrei. Mittags gibt es ein Büfett, wo sich jedes Kind zusammenstellen kann, was es mag. Egal, zu welcher Gruppe von Essern ein Kind gehört, es wird immer etwas finden, was es essen kann. Wir achten darauf, dass es in der Woche einen Wechsel gibt von Fleischgerichten, Suppen, Fisch und Pasta. Am Nachmittag gibt es Brote, hausgemachte Marmeladen oder Aufstriche, häufig Obst und Nüsse. Die Kinder können immer soviel essen, wie sie möchten, keiner muss essen.

 

Spätestens ab Eintritt eurer Kinder in den Kindergarten oder die Schule müsst ihr euch die Frage beantworten, welche Richtung die Entwicklung eures Kindes nehmen soll, wenn sie durch Menschen außerhalb des Familiensystems beeinflusst wird. Ihr müsst das beantworten, ohne zu wissen, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt. 

 

Unsere Schule ist gegründet worden, weil sie auf genau diesen Umstand reagieren will. Kinder sollen nicht „fit gemacht werden für den Berufsalltag“, sondern vorbereitet werden, auf eine Welt, die wir nicht kennen, uns nicht mal vorstellen können, eine Welt, in der sie permanent Entscheidungen treffen werden müssen, eine Welt, die Bürger braucht, die verantwortlich handeln und den Mut haben, trotz Fehlerrisiko eine Entscheidungen zu treffen, zunehmend möglicherweise sogar entgegen des Mainstreams.

 

Unser Schulkonzept startet aus diesem Grund mit folgendem Zitat:

„Uns geht es vor allem darum, wie Kinder und junge Menschen in eine sich schnell wandelnde Welt so hineinwachsen, dass ihr Sein und damit ihre Fähigkeit zu einer positiven Anpassung an neue Lebensumstände, durch den Erziehungsprozess nicht geschwächt, sondern vielmehr gestärkt wird.“

 

Das kann man lesen und doch, weil es nicht direkt herausfordert, vielleicht auch überlesen. Dahinter verbirgt sich ein Betreuungskonzept mit Werten und Inhalten, die eine entsprechende Haltung zum Kind verlangen. Wenn wir nicht wissen, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt, und das können wir ja nicht, dann müssen wir die Kinder so begleiten, dass sie mit unvorhergesehen Situationen, in denen sie in ihrer gesamten Personalität und Moralität herausgefordert werden, reagieren können. Dazu braucht es Vorbilder, dazu braucht es Erfahrungen und dazu braucht es vor allem eine vorbereitete Umgebung mit kalkulierten Risiken.

 

Der Alltag der meisten Kinder gestaltet sich so, dass sie mehr oder weniger während der gesamten Tageszeit von Erwachsenen betreut werden. Sie sind in der Schule, im Kindergarten, im Kurs, in der Arbeitsgemeinschaft, bei den Großeltern. Die Folge ist, dass aus dem Erfahrungswissen der Erwachsenen, oft auch den Ängsten, alle Herausforderungen aus dem Weg geschafft werden: Klettre da nicht rauf, das ist gefährlich! Zieh dir was an, du erkältest dich! Das Werkzeug kann dich verletzen, nimm was anderes! Iss nicht so viel davon, du bekommst Bauchschmerzen! Nicht springen, nicht schreien. Ich räum ab, dann fällt nichts runter. Wenn..., dann...! Es sind unsere Ruhe- und Sicherheitsbedürfnisse, nicht die der Kinder. Es gibt für Kinder wenige bis gar keine Freiräume mehr, um einen Alltag zu erleben, in denen ihnen echte Herausforderungen begegnen, um dann in diesen Situationen eine eigene, vielleicht riskante, in jedem Fall nicht von Erwachsenen beeinflusste Entscheidung zu treffen.

 

Der stark kritisierte Trend der Überbehütung (bitte mal in eine Suchmaschine als Stichwort eingeben) hat vor uns allen nicht halt gemacht. Umso größer ist die Verantwortung für Bildungseinrichtungen. Kinder brauchen risikobereite Erwachsene, auch Pädagogen, die Kinder in Entscheidungssituationen bringen und ihnen da auch etwas zumuten. Das ist möglicherweise eine bedeutendere Vorbereitung auf die Zukunft, als dividieren und deklinieren zu können. Wir wissen darum und doch: Wir wandern nicht mehr einfach los ohne Ziel, schlagen uns nicht die Nächte um die Ohren, wir kämpfen nicht gegen Monster in der Nacht und unseren Durst am Tag, wir schreiben nicht, bis uns die Hand weh tut und lesen nicht mehr, indem wir uns unbekannte Wörter mit dem Wörterbuch erschließen. Wir essen nicht, was wir wollen, sondern das, was wir als gesund einstufen. Wir sind verpackt in Funktionswäsche und merken nicht, dass wir nichts mehr spüren. Unsere Möglichkeiten mit euren Kindern Abenteuer zu erleben, sind, auch aufgrund von Sicherheits- und Absicherungsbedürfnissen, gering. Es bleiben uns die Bücher, in denen sie mit den Helden leiden können, eigene Ängste durchleben, andere Lebensentwürfe kennen lernen, Freude und Glück empfinden. Quiz: Welche zwei Jungs werden von einem Handwerker in einer Maschine zermahlen bis die Knochen knacken? Welches Mädchen geht allein durch den Wald? Wer muss an einem Kreuz hängen? Wer lebt ohne Eltern und besiegt die Räuber? Das alles sind- zumindest in der Zusammenfassung-Sozialstudien, wenn nicht sogar Horrorgeschichten. Wir teilen sie mit unseren Kindern, weil sie dadurch im besten Sinne lebenstauglich werden.

 

Das ist ein Plädoyer! Bitte mutet euren Kindern Geschichten zu. Lasst die Geschichten so groß und mächtig in ihrem Alltag werden, wie nur gute Literatur es schafft! Bedenkt, dass Filme das nicht leisten können, weil der Held ein Gesicht hat und Ängste plötzlich zu existenten Bildern werden. Lasst uns in Büchern Helden finden, die um ihr Leben ringen müssen, die ihre Freunde gegen Gewalt beschützen, die sich verlieben mit allem Herzschmerz und Körpergefühl! Lasst uns mit euren Kindern über ihre Ängste und Sehnsüchte reden! Wenn das nicht stattfindet, dann gibt es keine echte Bildung, denn echte Bildung ist auch Herzensbildung, die kann nicht ohne Schmerz sein.

 

Denn das Herz wird es sein, das eure Kinder realen existentiellen Situationen die richtige Entscheidung treffen lassen wird.

Unser Kindergarten und die Schule wurden von einer Elterninitiative gegründet. Innerhalb der Initiative wurde gleichberechtigt diskutiert und nach Kompromissen gesucht. Mit der Gründung eines Vereins 2001 gab es eine dem Verein angemessene Struktur und gewählte Vertreter/innen der Elternschaft. Der Verein arbeitet nun 13 Jahre. Was bedeutet das aktuell für euch als Eltern?

 

Die Integration von Eltern unseres Hauses in den Entwicklungsprozess ist nach wie vor gewollt und muss immer wieder neu besprochen werden, weil ansonsten nur Stichworte fallen, wie Verein, Kindersachenbasar, Ehrenamt und Putzdienst. Keiner weiß dann mehr, ob er sich überhaupt engagieren will oder darf und wo da sein Platz sein könnte.

 

Der tragende Pfeiler unseres Hauses ist der Verein. Aktuell hat der Verein 14 Mitglieder. Der Verein erwartet von neuaufgenommenen Eltern keine Mitgliedschaft im Verein, aber jeder, der mit seiner Stimme vertreten sein will, darf eintreten.  Dazu stellt ihr einen formlosen Antrag und werdet dann zur nächsten Mitgliederversammlung eingeladen. Die Mitglieder treffen sich ca. 2 mal im Jahr. Die Vereinsziele sind der Satzung zu entnehmen, der Hauptzweck ist die Etablierung und Führung einer Bildungseinrichtung. Innerhalb des Vereins werden Vorhaben geplant, die Wirtschaftslage des Vereins besprochen und Perspektiven entwickelt.

 

Der Vorstand ist der vertretende Träger. Über den Vorstand laufen die Kommunikation mit den öffentlichen Stellen und dem Netzwerk. Die Vorstandsmitglieder besprechen aktuelle Situationen in Team und Elternschaft genauso wie langfristige Planungen und Bauvorhaben. Mitglieder dürfen an Vorstandssitzungen teilnehmen. Wir bemühen uns, den Vorstand aus Teammitgliedern und Eltern zusammen zu setzen. 

 

Eine weitere Möglichkeit, sich als Gemeinschaft bei der Planung und Organisation zu engagieren, ist die Elternversammlung. Mindestens 4 Versammlungen finden im Jahr statt, nach Bedarf auch mehr. Dort sollen, neben den organisatorischen Absprachen, pädagogische Diskussionen stattfinden. In diesem Rahmen können Eltern ihre Fragen und Wünsche in das Team tragen. Ziel ist es, für alle Interessen einen Kompromiss zu erarbeiten, der für alle Eltern und Kinder geeignet sein kann. Eine gewählte Elternvertretung gab es bisher noch nicht, da aufgrund der geringen Elternzahl und direkten Kommunikationsmöglichkeiten der Bedarf nicht bestand. Es kann derjenige die Eltern vertreten, der den Kontakt zu den Eltern sucht oder von Eltern angesprochen wird. Wenn Eltern sich ohne Verbindlichkeit nicht vertreten fühlen, kann auch eine Elternvertretung gewählt werden, zumal das Haus größer geworden ist. Für die tägliche Zusammenarbeit bleiben wir unserem Konzept treu, dass wir offen und vertrauensvoll gegenseitig unsere Belange und Befindlichkeiten ansprechen wollen. Dazu ist das Elterngespräch ein geeignetes Forum, das vereinbart mehrfach im Jahr stattfinden kann. In diesem Rahmen werden Fragen zur Entwicklung des Kindes gestellt, werden die Beobachtungen zum Kind durch das Team beschrieben, aber auch Irritationen geklärt. Auch hier wird verhandelt, inwiefern Beschlüsse des Teams oder der Elternschaft für das Familiensystem passend und verkraftbar sind. 

 

Die Idee der ehrenamtlichen Elternarbeit in den organisatorischen Abläufen hat eine Historie. Früher wäre die Arbeit in unserem Haus ohne Elternmitarbeit gar nicht realisierbar gewesen. Wir konnten keine Arbeitsgemeinschaften finanzieren, großen Anschaffungen tätigen, wir konnten keine Küchen- oder Putzkräfte einstellen. Die Eltern brachten ein, was sie konnten, oft über die Kräfte des Einzelnen. Geblieben ist, dass Eltern sich engagieren und dadurch das Haus kennenlernen, mitgestalten oder durch ihre Impulse bereichern. Zusätzlich gibt es einen verbindlichen Elterndienst, der immer noch dazu dient, Kosten zu sparen, das ist das Wäschewaschen und Fensterputzen, beides müssten wir an Firmen übergeben, was zusätzliche Kosten verursachen würde.

 Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für
mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu
begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit,
weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und
Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.

 

M. Montessori 

 
 

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